Robert Schumann op.138

Spanische Liebeslieder.

Ein Zyklus von Gesängen für eine und mehrere Singstimmen und Klavier zu vier Händen, op. 138.
(übersetzung Emanuel Geibel)

1. Vorspiel. Im Bolerostempo.
2. Lied. De dentro tengo mi mal. (Tief im Herzen trag’ ich Pein.)
3. Lied. Mui graciosa es la doncella. (O wie lieblich ist das Mädchen.)
4. Duett. Cubrid me di flores. (Bedeckt mich mit Blumen.)
5. Romanze. Ebro caudolose. (Flutenreicher Ebro.)
6. Intermezzo. Nationaltanz.
7. Lied. Sannosa esta la ninna. (Weh, wie zornig ist das Mädchen.)
8. Lied. La sierra es alta. (Hoch, hoch sind die Berge.)
9. Duett. Ojos garzos ha la ninna. (Blaue Augen hat das Mädchen.)
10. Quartett. Vista ciega, luz oscura. (Dunkler Lichterglanz, blinder Blick.)

Im Frühjahr 1849 vertonte Robert Schumann in Dresden spanische Volkslieder und Romanzen für eine und mehrere Singstimmen, von denen er die meisten in seiner Sammlung Spanisches Liederspiel op. 74 zusammenfasste. Im November des selben Jahres entstanden noch weitere Lieder, die Schumann dieses Mal jedoch mit einer vierstimmigen Klavierbegleitung versah, „was, wie wir uns durch öftere Aufführungen in geselligen Kreisen überzeugt haben, von ungleich reizenderer Wirkung ist.“ Mit diesen Worten bot der Komponist fast vier Jahre später (im Juli 1853) das 2te Spanische Liederspiel“ , wie er es zunächst nannte, dem Verlag Kistner in Leipzig an. Kistner hatte bereits die Sammlung op. 74 veröffentlicht, zeigte sich aber nun nicht besonders kooperativ. Obwohl Schumann wirklich bescheidene Honorarforderungen stellte (er wünschte lediglich eine Auswahl von Musikalien des Verlagshauses) und zusätzlich eine alternative zweihändige Klavierbegleitung ausgearbeitet hatte, lehnte Kistner ab. Erst nach Schumanns Tod, im August 1857, erschien der Zyklus Spanische Liebeslieder op. 138 bei Rieter-Biedermann in Winterthur mit der vierhändigen Begleitung und vermutlich Ende 1860 mit einem zweihändigen Arrangement.

Die Texte zu den Liedern op. 138 stammen aus dem 1843 erschienenen Buch Volkslieder und Romanzen der Spanier im Versmaße des Originals von Emanuel Geibel (1815-1884). Schon bei früheren Vertonungen hatte Schumann auf die gelungenenübersetzungen dieses Dichters zurückgegriffen. Als Schöpfer eigener lyrischer Werke galt Geibel bereits zu Lebzeiten als hoch berühmt und zählte zu den meistvertonten Poeten seiner Generation. In seinenübersetzungen ging er nicht unbedingt mit großer philologischer Sorgfalt vor. Die dichterische Ausformung stand für ihn im Vordergrund, weshalb ihm gründliche Quellenstudien und -angaben weniger wichtig schienen. So ist inzwischen auch bekannt, dass es Geibel nicht immer bei einer bloßen übertragung der spanischen Originale beließ, sondern an einigen Stellen eigene Verse zufügte. Diese passen sich jedoch der gegebenen Sphäre der spanischen Romanzen derart an, dass kein Unterschied festzustellen ist.

Jenes charakteristische Kolorit bleibt auch in Schumanns musikalischer Umsetzung präsent. Das eröffnende Klavierstück (op. 138/1) soll „Im Bolerostempo“ [sic!] vorgetragen werden. Im folgenden Lied Tief im Herzen (op. 138/2) werden in den Klavierstimmen unüberhörbar Gitarren-Arpeggien nachgeahmt, die den Gesang mehr stützen denn begleiten. Besonders temperament- und auch humorvoll kommen Melodie und Rhythmik in O wie lieblich ist das Mädchen (op.138/3) daher, während das Duett für Frauenstimmen Bedeckt mich mit Blumen (op. 138/4) von eher ernsthafter Leidenschaft zeugt. Im Gegensatz zu allen übrigen Stücken aus op. 138 erfreut sich die Bariton-Romanze Flutenreicher Ebro (op. 138/5) größerer Beliebtheit und wurde von jeher häufig aufgeführt. Als Intermezzo schiebt Schumann an sechster Stelle seiner Sammlung einen Nationaltanz ein, der von den beiden Pianisten alleine vorgetragen wird. Im folgenden Lied Weh, wie zornig ist das Mädchen (op. 138/7) lässt die geschickte musikalische Konzeption ahnen, dass die Situation nicht wirklich furchterregend ist. Hoch, hoch sind die Berge (op. 138/8) lebt von starken Einflüssen der Volksmusik, während das sich anschließende Duett für Männerstimmen Blaue Augen hat das Mädchen (op. 138/9) eher der Opernwelt zu entspringen scheint. Im Schlussquartett Dunkler Lichtglanz, blinder Blick (op. 138/10) stimmen die Sänger ein immer strahlender werdendes Loblied auf die Liebe an, das in gewisser Weise alle zuvor erklungenen Sujets zusammenfasst und im glücklichen musikalischen Einvernehmen endet.

(Irmgard Knechtges-Obrecht)</p

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