Robert Schumann op. 28

Drei Romanzen für Klavier op. 28

Nr.1 Sehr markirt
Nr.2 Einfach
Nr.3 Sehr markirt


Die Drei Romanzen op. 28 schrieb Robert Schumann im Winter 1839. Ihre gesamte Entstehungsgeschichte ist getragen von jenem Aufschwung, den die bevorstehende Rückkehr seiner Braut Clara Wieck nach Leipzig sowie die immer greifbarer werdende Heirat mit ihr auslösten. Nachdem Schumann einige Monate zuvor seinen Aufenthalt in Wien ohne den gewünschten Erfolg beendet hatte, entwickelte er neue Pläne zur Gestaltung seines zukünftigen Lebens. Es gelang ihm, Clara Wieck zur Rückkehr von ihrer Konzertreise nach Paris zu überreden, um mit ihr gemeinsam endlich sämtliche zur Eheschließung notwendigen Formalitäten zu erledigen. Die enormen Anstrengungen ihres Vaters Friedrich Wieck, die Heirat zu verhindern, sowie seine verleumderischen Anfeindungen gegen Schumann hatten immer größere Dimensionen angenommen.

Aber trotz aller Intrigen, aller erzwungenen Trennungen des jungen Paares konnte Wieck seine Tochter letztlich nicht dazu bewegen, ihr Verlöbnis mit Schumann zu lösen. Die beiden jungen Leute sahen sich schließlich gezwungen, mit Unterstützung Mariane Bargiels, Claras von Friedrich Wieck geschiedener Mutter, Klage beim Leipziger Appellationsgericht gegen den Vater einzureichen, um dessen Einwilligung auf diesem Wege zu erlangen.

Seine in dieser Situation komponierten Romanzen op. 28 wollte Schumann zunächst Clara widmen, da er sie „zuerst u. beim Componiren [...] im Sinn“ hatte, doch dann schrieb er ihr: „es ist mir aber beides Deiner nicht gut u. würdig genug“. Clara erwiderte: „Auf die Romanzen mache ich aber Anspruch; als Deine Braut mußt Du mir durchaus noch etwas dedicieren, und da weiß ich denn doch nichts Zarteres als diese 3 Romanzen, besonders die Mittelste, die ja das schönste Liebesduett.“ Aber „die Romanzen sind wahrhaftig nicht gut genug für so ein Mädchen“, so dass Schumann sie dem befreundeten Erfurter Musikliebhaber Heinrich II., Graf von Reuß-Köstritz dedizierte, als sie 1840 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig erschien. Cara allerdings wurde überaus „würdig“ entschädigt durch die kurz darauf gedruckte Liedsammlung Myrthen op. 25 mit ihrer „Brautwidmung“.

In Spanien ursprünglich als „Erzähllied“ weit verbreitet, gewann die Romanze seit der Klassik auch im Bereich instrumentaler Musik zunehmend an Bedeutung. Mit liedhafter Struktur, bei formaler Übersichtlichkeit und ohne extreme Spannungen im Ausdruck sollten derartige Kompositionen leicht fassbar und allgemein verständlich bleiben. Diesen eher biedermeierlichen Postulaten erteilte Schumann in seinen Schriften und Werken eine klare Absage. Seine Drei Romanzen op. 28 weisen in Charakter, Form und kompositorischer Ausführung so große Unterschiede auf, dass seine weit gefasste stilistische Vorstellung der Gattung offensichtlich wird. In ihrem kraftvoll fließenden Triolen-Duktus bleibt die erste Romanze in b-moll am ehesten dem ursprünglichen balladesken, erzählenden Grundton verhaftet.

Düster und voller Unrast hebt die rhythmisch frei disponierte Tonfolge an, aus der sich keine rechte liedhafte Melodie entwickeln will. Nur ein eingeschobener Teil, der von C-Dur nach Fis-Dur führt, durchbricht mit seinem etwas lyrischeren Gestus die unheimliche Grundstimmung.
Die schon von Clara Wieck hervorgehobene zweite Romanze in Fis-Dur stellt ein echtes Juwel dar. Ein subtiles Stimmengewebe umrahmt die liedhaften Melodiefloskeln, deren volkstümliche Einfachheit rhythmisch und harmonisch variiert wird. Die schlichte, aber gefühlsbetonte Innigkeit dieser wohl bekanntesten Romanze aus op. 28 wird nicht zuletzt durch geschickte kompositorische Griffe erzielt.

Die Notation der Musik auf drei Systemen beweist ein weiteres Mal Schumanns Bereitschaft, stets neue Möglichkeiten auf eingefahrenen Wegen zu suchen. Die dritte Romanze in H-Dur ist das umfangreichste Stück der Sammlung op. 28. Mit ihrem marschartigen Charakter und der relativ komplexen Formung zeigt sie am stärksten Schumanns Trennung von der eindimensional lyrischen zur erheblich vielfältigeren Bandbreite dieses Genres. Mit zwei ausdrucksmäßig kontrastierenden, motivisch aber aufeinander bezogenen Motiven gestalten sich die Rahmenteile, während zwei im Tempo abgehobene Intermezzi einem abweichenden Charakter folgen. Seinen besonderen Reiz erhält das zweite Intermezzo durch jene für Schumanns Klavierstil so typische rhythmische Irregularität.

(Irmgard Knechtges-Obrecht)

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