Robert Schumann op. 129

Robert Schumann: Konzert für Violoncello und Orchester a-moll op. 129

1. Nicht zu schnell
2. Langsam
3. Sehr lebhaft

Als Nachfolger Ferdinand Hillers tritt Schumann im September 1850 das Amt des Städtischen Musikdirektors in Düsseldorf an. Begeistert wird die Familie empfangen, erhofft man sich doch durch den renommierten Komponisten und seine Ehefrau, die berühmte Konzertpianistin Clara Schumann, neuen Glanz im Düsseldorfer Musikleben.

Sein erste rheinische Komposition entwirft Schumann schon kurz nach der Ankunft im Oktober 1850. Vollendet wird das von ihm „Concertstück“ genannte Cellokonzert dann knapp zwei Wochen später. Geplant hatte er eine solche Komposition bereits 1849 in Dresden, wie aus seinem Projektenbuch hervorgeht.

Schumann betritt als Nicht-Cellist mit seinem Werk kompositorisches Neuland, er kannte sich weder mit der Spieltechnik noch mit dem Klang dieses Instruments gut aus. Seine Frau Clara beschreibt das Konzert als „besonders so recht im Cellocharakter geschrieben“, ein Urteil, dem von jeher die meisten Cellisten entschieden widersprechen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich zunächst weder ein Interpret noch ein Verleger für das Konzert finden lassen. Erst am 23. März 1851 kann Schumann sein Konzert für Violoncello und Orchester durch den kurz zuvor nach Düsseldorf gezogenen Cellisten Christian Reimers zumindest einmal probeweise hören. Spätestens dabei muss ihm aufgefallen sein, dass die Cellostimme noch einer fachgerechten Überarbeitung bedurfte. Da ihm kein kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung steht, sendet Schumann im Oktober 1851 schließlich die Cellostimme nach Frankfurt zu dem bekannten Cellisten Robert Emil Bockmühl. Daraufhin folgt ein Briefwechsel, in dem Bockmühl zahlreiche Änderungen in der Cellostimme wünscht, um sie für den Cellisten besser ausführbar zu machen und zudem viele weitere Ratschläge erteilt. Da Bockmühl 1852 von Frankfurt nach Düsseldorf übersiedelt, kann Schumann mit ihm jetzt mündlich über die technische Gestaltung des Soloparts diskutieren.

Letztlich berücksichtigt der Komponist die Vorschläge des Cellisten kaum. Auch dessen Wunsch nach einem neuen Schlusssatz, weil der bisherige nicht zum Konzert passe und überdies nicht zum Vortrag geeignet sei, überhört Schumann geflissentlich. Schließlich überlässt er Bockmühl vor der Drucklegung des Werkes lediglich das Eintragen von aufführungspraktischen Zeichen.

Während Schumann hofft, gemeinsam mit Bockmühl die Düsseldorfer Uraufführung des Cellokonzerts vorbereiten und durchführen zu können, lässt der Cellist sich nun jahrelang immer neue Ausreden einfallen, um das Stück nicht spielen zu müssen. Eine Uraufführung zu Lebzeiten des Komponisten kann bis heute nicht nachgewiesen werden. Die erste bekannte Aufführung erfolgt posthum am 23. April 1860 in Oldenburg durch die Großherzogliche Hofkapelle unter ihrem Konzertmeister Karl Franzen und mit dem Solisten Ludwig Ebert.

Schumanns Anordnung der beiden Klangkörper im Konzert – jene von seiner Frau Clara beschriebene „höchst interessante Verwebung zwischen Cello und Orchester“ – widerspricht dem in zeitgenössischen Virtuosenkonzerten praktizierten Verfahren. Geht es dort hauptsächlich um die Präsentation der bravourös und brillant aufspielenden Solisten, stellt Schumann andere, musikimmanente Ansprüche in den Mittelpunkt. Er bedient somit in keiner Weise die Erwartungen von Virtuosen wie Bockmühl, sondern knüpft vielmehr in der Verbindung von sinfonischen und konzertanten Prinzipien an das Vorbild der späten Klavierkonzerte Beethovens an.

Für das Figuren- und Passagenspiel erweist sich die Tonlage des Cellos als zu tief, so dass das Instrument bei einigermaßen sinfonischer Behandlung des Orchesters leicht überdeckt wird. Der solchermaßen deutlich reduzierte sinfonische Ausdruck sowie nahtlose Übergänge zwischen den drei Sätzen – sie entsprechen Schumanns ursprünglich vorgesehener Bezeichnung „Concertstück“ – bieten zusätzlich Schwierigkeiten bei der Interpretation. Es ist für alle beteiligten Musiker ungewohnt und erfordert eine wesentlich aufwändigere Probenarbeit; Dirigent und Solist sind gleichermaßen stärker gefordert.

Nicht zuletzt daher rühren auch Schumanns Schwierigkeiten, einen Verleger für das Konzert zu finden. Erst im August 1854, als Schumann bereits in der Endenicher Heilanstalt weilt, erscheinen Klavierauszug und Stimmen bei Breitkopf & Härtel in Leipzig. Verbreitung und Anerkennung findet das Cellokonzert nicht vor Ende des 19. Jahrhunderts, wobei die enormen technischen Anforderungen an den Solisten erst in den letzten Jahrzehnten eine adäquate Bewältigung finden.

Das „durchaus heitere Stück“ beginnt nach wenigen präludierenden Akkorden des Orchesters im Cello mit seinem beinahe alle Lagen des Instruments umfassenden kantablen Hauptthema. Dieses nur von den Streichern quasi rezitativisch begleitete Thema ist für das gesamte Werk und dessen zyklischen Charakter bestimmend. Soloinstrument und Streicher leiten direkt zum langsamen zweiten Satz über, dessen besonderer Reiz im kurzzeitigen Auftreten  eines zweiten solistischen Cellos besteht. Hier bietet Schumann dem Solisten weiten Raum zur Entfaltung lyrischer Kantilenen. Auch klingen Reminiszenzen an das Hauptthema des ersten Satzes an. Eine kurze strettahafte Solokadenz führt unmittelbar ins Finale, dessen Hauptthema wiederum seinen Ursprung in den Einleitungstakten des ersten Satzes hat. Mitreißend tänzerisch und wie aus einer spielerischen Laune heraus erklingen Cello und Orchester in raschem Wechsel. Seinen krönenden Abschluss findet das Cellokonzert in einer großen Kadenz, die überaus virtuos und technisch höchst anspruchsvoll das gesamte thematische Material des Konzerts noch einmal in komprimierter Form erklingen lässt.

(Irmgard Knechtges-Obrecht)

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