Robert Schumann op.14

Konzert ohne Orchester f-moll op.14 für Klavier (1. Fassung 1836)

Klaviersonate Nr. 3 f-moll op. 14 (2. Fassung, 1853)

I. Allegro
II. Scherzo. Molto comodo
III. Quasi Variazioni. Andantino de Clara Wieck
IV. Prestissimo possibile. Passionato

Am 5. Juni 1836 beendete Schumann ein Klavierwerk in f-moll. Begonnen hat er es im Winter zuvor als fünfsätzige 3. große Sonate. Die eigenwillige Satzfolge bestand aus einem Eröffnungssatz ”Allegro brillante“, zwei Scherzi, sechs Variationen über ein ”Andantino de Clara Wieck“ sowie einem Finale.
Im Frühjahr komponierte er eine neue Fassung des Finalsatzes, verkürzte sein Werk auf drei Sätze und nannte es Konzert ohne Orchester. Diese Fassung enthält den ehemaligen ersten Satz, vier der originalen sechs Variationen aus dem Variationensatz sowie das neue Finale. Zuvor hatte der Komponist sein Werk dem Wiener Verleger Tobias Haslinger erfolgreich zum Druck angeboten. Ein wenig mag Schumann bei dieser ersten Revision den wirtschaftlichen Vorstellungen des Verlegers entgegengekommen zu sein. Erfüllte doch eine herkömmliche dreisätzige Form die Erwartungen des Publikums viel eher. Als Concert sans Orchestre erschien op. 14 schon im September 1836. Somit kam op. 14 – obwohl eigentlich die letzte der drei seit 1833 entstandenen Klaviersonaten Schumanns – fast zeitgleich mit dem Schwesterwerk, der KlaviersonateNr. 1 in fis-moll op. 11 auf den Markt.

Knapp 14 Jahrespäter erwarb der Verleger Julius Schuberth aus Hamburg die Rechte an Schumanns op. 14. Er wünschte zur Drucklegung ein Scherzo, um dem Typus der viersätzigen ”Großen Sonate“ Genüge zu tun. Schumann, der selbst den Titel Grande Sonate pour le Pianoforte plante, fügte eines der beiden gestrichenen Scherzi wieder ein. Außerdem überarbeitete er sein Werk erneut, das nun aus dem revidierten ersten Satz, einem der beiden Scherzi, dem revidiertenVariationensatz sowie der revidierten zweiten Fassung des Finales aus dem Konzert bestand. Im Juli 1853 erschien diese Fassung als 3. Klaviersonate Schumanns bei Schuberth & Co. Posthum wurde 1866 auf eine Anregung von Johannes Brahms das andere Scherzo veröffentlicht. Erst 1983 erschienen jene zwei Variationen, die Schumann seinerzeit vor der Drucklegung aus dem Variationensatz gestrichen hatte. Die ursprüngliche Fassung des Finales blieb jedoch ungedruckt.

Der, seinem ursprünglichen Titel ”Konzert“ entsprechend, orchestral angelegte Eröffnungssatz in ausgeprägt polyphoner Satztechnik zeigt dramatisch und markant auftretende Themenbildungen. Eine lyrische Kantilene kann sich dem gegenüber kaum durchsetzen und bleibt Episode. Von Anfang an wirkt die gesamte Sonate weniger leidenschaftlich als jene zuvor entstandene in fis-moll (op. 11). Op. 14 hinterlässt vielmehr einen ernsten, traurig-resignierenden Eindruck. Auch ist der Kopfsatz von op.14 noch weiter vom klassischem Schema der Sonatenhauptsatzform entfernt, als jener aus op. 11. Einer raschen Analyse widersetzt ers ich und lässt sich erst nach genauerer Betrachtung in zwei große, weitgehend parallele Teile gliedern, die in sich weitere, symmetrisch angeordnete Abschnitte bieten, woraus sich letztlich eine zehnteiligeAnlage ergibt.

Auch dem 2. Satz haftet nicht jener einem Scherzo entsprechende heitere Charakter an, sondern eine energische, eher trotzige Haltung. Erst am Ende des Satzes lüftet Schumann den Schleier von der Grundtonart Des-Dur (dies ist der einzige Dur-Satz der Sonate!), was den Hörer in reizvolle Verwirrung stürzt.

Von großer Bedeutung ist der an dritter Stelle stehende Variationensatz, dem als Thema ein heute verschollenes bzw. in dieser Form unbekanntes Andantino von Clara Wieck zu Grunde liegt. Es scheint Schumann dabei weniger um das Zitieren eines konkreten Motivs zu gehen. Wichtiger ist, Clara Wiecks Namen mit seinem Werk für immer zu verbinden, um ein weiteres Mal auf die besondere Beziehung zwischen ihnen hinzuweisen. Beide entwickelten großen Erfindungsreichtum dabei, immer wieder eine enge musikalische Verzahnung zwischen ihren Werken herzustellen. Spätestens an dieser Stelle wird in Schumanns op. 14 deutlich, dass Claras aus einer fallenden Quinte gebildete, im Charakter tief-traurige Motiv als eigentliches Zentrum der gesamten Sonate dient. Wie aus einem melodischen Kern gehen die Hauptthemen aller vier Sätze daraus hervor. In bekenntnishafter Weise übermittelt der Komponist somit eine Botschaft an die geliebte Person. Als einen einzigen ”Herzensschreinach Dir“ bezeichnete er seine Sonate auch rückblickend in einem Brief vom 12. Februar 1838 gegenüber der geliebten Clara, in dem Dein Thema in allen möglichen Gestalten zum Vorschein kömmt. . . “ Schumanns Motivation ist besonders naheliegend, entstand die Concert sans Orchestre genannte Fassung seines op. 14 doch gerade in jener dunkelsten Zeit der Trennung von Clara, in der ihr Vater Friedrich Wieck jeglichen Kontakt zwischen den jungen Leuten unterband.

Stürmisch drängend, schließt sich das Finale Prestissimo possibilean. Verschärfte Chromatik, scheinbar rastlose Motorik und starke Synkopierungen beherrschen die Szene. Schumann beendet seine Sonate op.14 zwar glanzvoll, aber dennoch ihrer quälend düsteren Aura verhaftet.Wenn auch nicht von absoluter Hoffnungslosigkeit bestimmt, so hinterlässt sie doch einen recht zwiespältigen Eindruck und spiegelt durchaus die Ungewissheit der Situation zwischen Clara und Robert jener Zeit wider.

Schumann erlebte nur private Aufführungen seines Werkes, öffentliche lassen sich erst posthum nachweisen. Als Widmungsträger wählte er den berühmten Klaviervirtuosen, Komponisten und Musikschriftsteller Ignaz Moscheles, der zu dieser Zeit in London lebte.


(Irmgard Knechtges-Obrecht)

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