Robert Schumann op. 97

Robert Schumann: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur „Rheinische“ op. 97

I. Lebhaft
II. Scherzo. Sehr mässig
III. Nicht schnell
IV. Feierlich
V. Lebhaft


Nur knapp vier Jahre lebt und arbeitet Robert Schumann in Düsseldorf. Und dennoch identifiziert man ihn fast schon mit dem Rheinland. Schreibt er doch hier seine berühmte „Rheinische“ Sinfonie, die seit ihrer Uraufführung am 6. Februar 1851 von Düsseldorf aus einen wahren Triumphzug durch die Konzertsäle der Welt antrat, rasch populär wurde und es bis heute geblieben ist. Wie keine andere Komposition steht diese Sinfonie quasi als Logo für das Rheinland, wurde und wird häufig in den Medien als Titelmusik verwendet und gilt inzwischen als die inoffizielle Hymne des Rheinlands. Kaum ist Schumann 1850 als Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf angekommen, entwickelt er eine rege kompositorische Aktivität. In rasantem Tempo skizziert und vollendet er seine Sinfonie in Es-Dur. Begeistert nimmt das Uraufführungspublikum die Sinfonie auf, bei deren zweiter Düsseldorfer Aufführung am 13. März 1851 die Zuhörer sogar eine komplette Wiederholung verlangen!

Schumanns „Rheinische“ steht in der Schaffenschronologie der vier autorisierten Sinfonien an letzter Stelle. Die Anregung zu ihrem charakteristischen Beinamen gibt Schumann durch entsprechende eigene Äußerungen, popularisiert wird er allerdings erst durch eine Uraufführungskritik in der Rheinischen Musik-Zeitung, deren Rezensent meint, die Sinfonie „entrolle ein Stück rheinisches Leben“. Solche Eindrücke vom Rheinland inspirieren Schumann ebenso, wie vor allem ein erster Besuch in Köln, wo ganz besonders der Anblick des Domes eine nachhaltige Wirkung beim Ehepaar Schumann hinterlässt. Eine durch Schumanns ersten Biographen Wilhelm Joseph von Wasielewski verbreitete Anekdote, derzufolge die Entstehung des ursprünglich „Im Character der Begleitung einer feierlichen Ceremonie“ überschriebenen vierten Satzes unmittelbar zurückzuführen sei auf Feierlichkeiten im Kölner Dom anlässlich der Kardinalserhebung des Erzbischofs Johannes von Geissel (12. November 1850), lässt sich jedoch nicht nachweisen.

Im Programmtext zur Düsseldorfer Uraufführung findet sich noch jene oben zitierte Überschrift zum 4. Satz, die Schumann erst vor der Drucklegung endgültig tilgt. Dieser vor dem Finale erklingende Satz erweitert das traditionelle Sinfoniemodell zur Fünfsätzigkeit. Während das zeitgenössische Publikum die volkstümliche Aura und leichte Zugänglichkeit der übrigen vier Sinfoniesätze mit positiver Resonanz bedachte, bereiteten der Religioso-Charakter des vierten Satzes sowie dessen pure Existenz von Anfang an Verständnisschwierigkeiten. Tatsächlich steht der im Druck mit „Feierlich“ überschriebene Satz durch seinen pathetischen Impetus im krassen Gegensatz zu den anderen Sinfonieteilen. Auch Clara Schumann reflektiert in ihrem Tagebuch diese Problematik: „Welcher der 5 Sätze mir der liebste, kann ich nicht sagen [...] Der vierte jedoch ist derjenige, welcher mir noch am wenigsten klar ist; er ist äußerst kunstvoll, das höre ich, doch kann ich nicht so recht folgen, während mir an den andern Sätzen wohl kaum ein Takt unklar blieb, überhaupt auch für den Laien ist die Sinfonie, vorzüglich der zweite und dritte Satz sehr leicht zugänglich.“

Ohne Einleitung beginnt der Kopfsatz direkt mit dem markanten Hauptthema. Eigenwillig hemiolisch rhythmisiert und in weiten Sprüngen legt Schumann hier ungeheuren Schwung vor. Das folgende lyrisch-singende Seitenthema lebt vom Intervall der Quarte, wird aber gleichzeitig eng mit dem Hauptthema verbunden. Spätestens in der Durchführung erweist sich die tragende Funktion des Quartintervalls nicht nur für den Kopfsatz, sondern – wie sich später zeigt – für das gesamte Werk. Ein dreifaches Forte kündet den Beginn der vollständigen Reprise an, eine pastose Coda beschließt den ersten Satz.

Ländlerartige Behaglichkeit macht sich im Scherzo breit, gepaart mit einem guten Schuss Humor. Jene der Sinfonie nachgesagte „rheinländische“ Aura empfindet man hier besonders. Auch hier dominiert ein kantables Hauptthema, dessen motivische Grundsubstanz wiederum die Quarte ist. Beschaulich und melodiös kommt der 3. Satz daher, im Klangbild von Klarinetten und Fagotti bestimmt. Choralartig homophon erhebt sich im 4. Satz „feierlich“ das wiederum durch eine aufwärts gerichtete Quart entwickelte Thema. Im fugenähnlichen Modus durchläuft es zwei „Durchführungen“, bevor es schließlich in seiner ursprünglichen Gestalt wiederkehrt. Nun ist es als echter figurierter Choral gesetzt. Die düster verklingende Coda führt zur Haupttonart des Satzes (es-moll) zurück. Mit dem glanzvollen Einsatz des Finales kehrt die heiter-beschwingte Grundstimmung der Sinfonie zurück. In der vom Bläserklang beherrschten Coda greift Schumann das choralartige Thema des vorherigen Satzes modifiziert und im hymnischen Gestus auf. Eine grandiose Stretta beschließt die Sinfonie op. 97, deren einzelne Sätze im zyklischen Sinne eng miteinander verbunden sind.

(Irmgard Knechtges-Obrecht)

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