Konzert für Violine und Orchester d-moll WoO 1.

Robert Schumann.

Hrsg. v. Christian Rudolf Riedel, Thomas Zehetmair.
Breitkopf Urtext. Partitur PB 5302. Orchesterstimmen OB 5302. Ausgabe für Violine und Klavier EB 8648.
Wiesbaden: Breitkopf & Härtel, 2009

In Hinblick auf das Schumann-Jahr 2010 bringt Breitkopf & Härtel eine erste Urtext-Ausgabe von Robert Schumanns letztem Orchesterwerk, dem Violinkonzert WoO 1 heraus. Kein anderes Werk aus Schumanns Œuvre hat eine derartig verwickelte und spannende Rezeptionsgeschichte. Unglaubliche Verwirrungen, Fehl- und Vorurteile sowie geheimnisvolle Machenschaften verbinden sich mit diesem Konzert, das erst 1937 gedruckt und unter großem propagandistischen Getöse des NS-Regimes in Berlin uraufgeführt wurde. Die für diesen Anlass hergestellte und bisher einzig verfügbare Ausgabe ist editorisch wegen gravierender Lesefehler, hinzugefügter Artikulationszeichen und vieler weiterer Mängel absolut unzulänglich. Entstanden war das Konzert im Herbst 1853 in Düsseldorf unter dem Eindruck des jungen, talentierten Geigers Joseph Joachim, den Schumann beim 31. Niederrheinischen Musikfest kennengelernt hatte. Aus unterschiedlichen Gründen konnte der Komponist selbst sein Werk weder zur Uraufführung noch zum Druck befördern. Nach seinem Tod geriet es dann immer stärker in eine bewusst erzeugte Versenkung, veranlasst vor allem durch Clara Schumann, die in falsch verstandener Pietät die letzten, möglicherweise mit dem Makel der Krankheit behafteten Kompositionen ihres Mannes der Öffentlichkeit vorenthielt. Nach reiflicherüberlegung und Beratung mit den Freunden Johannes Brahms und Joseph Joachim erkärte man das Violinkonzert schließlich als verschollen. Während das Nationalsozialistische Regime das Werk nur deshalb unter merkwürdigsten Umständen ausgrub, weil es einen ”Ersatz“ für das im ”Dritten Reich“ verbotene Violinkonzert des ”Juden“ Felix Mendelssohn Bartholdy brauchte, führte erst die Neubewertung von Schumanns Spätwerk in den 1980er Jahren sowie ein grundlegender Wandel im Rezeptionsverhalten dazu, dass das schumannsche Konzert endlich vorbehaltlos wahrgenommen wird. Immer häufiger wurde es von nun an aufgeführt und eingespielt, wobei stets die einzige, alte Ausgabe aus dem Schott-Verlag, Mainz verwendet werden musste.

Vorliegende quellenktritische und praxisorientierte Edition leistet einen bedeutenden Beitrag zu einer vollständigen Neubewertung dieses vielleicht am meisten verkannten Musikstücks der Romantik. Der sorgfältig erstellte Urtext stützt sich hauptsächlich auf die in der Berliner Staatsbibliothek aufbewahrte, aus dem Nachlass Joachims stammende autographe Partitur sowie auf die beiden dort und im Zwickauer Schumannhaus liegenden Abschriften des Klavierauszugs. Neben der Partitur wird somit zum ersten Mal auch jener Klavierauszug des Komponisten veröffentlicht, aus dem vermutlich Clara Schumann und Joseph Joachim musizierten. Entstehungsgeschichte, Überlieferung und Rezeption nach Schumanns Tod sowie das Werk und seine Interpretation werden im umfangreichen Vorwort der Edition erschöpfend betrachtet. Ebenso ist der Kritische Bericht durchaus solide ausgearbeitet, auch die recht komplizierte Quellenlage zum Violinkonzert ausreichend beschrieben.

Thomas Zehetmair, der als Interpret zur Neubewertung des Violinkonzerts in den letzten Jahren maßgeblich beigetragen hat, richtete die Solostimme mit 3 Fingersätzen und Bogenstrichen ein. Auf einer beigefügten Extraseite bietet er darüberhinaus Alternativversionen an, wobei er auch die offensichtlich von Schumann akzeptierte Revision Joachims berücksichtigt. Im Rahmen des Düsseldorfer Schumannfestes wird Thomas Zehetmair am 11. Juni 2010 in der Tonhalle Düsseldorf Schumanns Violinkonzert in seiner neu eingerichteten Fassung spielen, ein Ereignis, auf dass man sich nicht nur angesichts dieser Ausgabe freuen darf!

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