Studentenprojekt "Clara und Robert Schumann in Dresden"

Robert Schumann hatte sich das musikalische Leben in Dresden anders vorgestellt: „Der Zopf hängt hier ihnen noch gewaltig“, schrieb er in einem seiner Briefe. Doch wenn er über die Brühlsche Terrasse wanderte, dem Komponisten Richard Wagner im Großen Garten begegnete oder die Oper Fidelio im Hoftheater hörte, dann fühlte er sich wohl in Dresden.

Mit dem im Wintersemester 2007/2008 von Professor Hans-Günter Ottenberg organisierten Seminar „Robert und Clara Schumann in Dresden“ begann die Schumann-Forschung am Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der TU Dresden. Es wuchs die Idee eines studentischen Forschungsprojektes, das sich mit der Frage befasst, ob heute, 160 Jahre nach ihrem Weggang, noch Spuren der Schumanns in Dresden zu finden sind – in der Stadt selbst, in den Konzertplänen der großen Musikinstitutionen und in den Köpfen der Bürger.
Als Schirmherr für das Projekt konnte Kammersänger Professor Peter Schreier gewonnen werden. Erste Ergebnisse wurden im Mai 2008 auf der Tagung „Robert und Clara Schumann in Dresden – Biographische, kompositionsgeschichtliche und soziokulturelle Aspekte“, die das Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der TU Dresden veranstaltet hat, vorgestellt. Aspekte wie der Schumannsche Freundeskreis, in Dresden entstandene Kompositionen, Konzerttätigkeit und Lebensumstände kamen zur Sprache.

Ziel des Projektes war und ist, die Aktualität der Beziehung zwischen den Schumanns und Dresden herauszufinden. Dazu haben sich drei Arbeitsgruppen gebildet, die nun näher vorgestellt werden sollen. Eine Spurensuche der Schumanns im heutigen Dresdner Stadtbild ist Hauptanliegen der Arbeitsgruppe 1. Zur schon oben erwähnten Dresdner Tagung „Robert und Clara Schumann in Dresden“ im Mai 2008 fand in diesem Zusammenhang auch eine einstündige Stadtführung für die Referenten, Schumannforscher und die Dresdner Öffentlichkeit statt. Hierbei wurden wichtige Stationen der Schumanns in der Innenstadt abgelaufen und mit Informationen, Bildmaterial und Zitaten wie z.B. aus den Haushaltbüchern oder Briefen unterlegt. Die Arbeitsgruppe 1 hat ein Informationsblatt eigens für die Führung gestaltet mit einem Kartenausschnitt des Stadtkerns und Stationen mit Legende, die in der Führung besucht worden sind. Dazu gehörten beispielsweise das Hotel de Saxe, heute Hotel Steigenberger, welches Uraufführungsstätte von Schumanns Klavierkonzert war. Die Bronzebüste, das einzige Schumann-Denkmal in der Dresdner Innenstadt, wurde ebenfalls in der Führung aufgespürt.

Die Arbeitsgruppe 2 setzte es sich zum Ziel, die Schumann-Pflege in Dresden seit 1850, dem Jahr des Weggangs der Schumanns, sowie die speziellen Schumann-Jubiläen wie 1906, 1910, 1956, 1960, 2006 und 2010, genauer unter die Lupe zu nehmen. Wichtige Fragen waren: Gibt es in Dresden ein besonderes Schumann-Bewusstsein? Werden auch Claras Kompositionen aufgeführt? Was wird am häufigsten gespielt? Gibt es besondere „Dresdner Werke“? Dazu wurden die Spielpläne bekannter Musikinstitutionen, wie der Sächsischen Staatskapelle Dresden, der Dresdner Philharmonie, des TU Universitätsorchesters, der Singakademie Dresden, des Kreuzchors, der Dresdner Musikfestspiele, der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und des Heinrich-Schütz-Konservatoriums untersucht und statistisch erfasst.

Die Arbeitsgruppe 3 versuchte anhand eines kleinen Fragebogens zu den Erinnerungen der Dresdner an die Schumanns vorzudringen. Für die Umfrage, die ein möglichst spektrales Ergebnis mit sich ziehen sollte, hat sich die Gruppe für zwei verschiedene Institutionstypen in und um Dresden entschieden: Kulturinstitution – vertreten durch Semperoper und Kulturpalast – und Bildungsinstitution – vertreten durch die Technische Universität Dresden sowie vier in ihrem Profil unterschiedliche Gymnasien. Insgesamt nahmen 673 Männer und Frauen aller Altersstufen an der Umfrage teil. So war der jüngste Teilnehmer 15 Jahre alt und der älteste 81. Neben der Umfrage wurden Wissenschaftler und Dresdner Musiker interviewt, die sich in ihrem Schaffen besonders mit dem Leben und der Musik Robert und Clara Schumanns auseinandersetzen.

Außerhalb dieser drei Arbeitsgruppen beschäftigten sich einzelne Mitglieder des Projektes mit speziellen Themen wie dem Musikleben in Dresden, der familiären und häuslichen Situation der Schumanns, dem Freundeskreis, der Rolle Claras als Mutter, Ehefrau, Pianistin und Komponistin und dem kompositorischen Schaffen. Damit soll gewährleistet werden, dass unser Projekt möglichst umfassend dem Thema „Robert und Clara Schumann in Dresden gerecht wird und unsere Arbeit das Künstlerehepaar Robert und Clara Schumann wieder stärker ins lokale öffentliche Gedächtnis rufen wird.

Im Rahmen des Robert-Schumann-Festes Dresden, das im Juni 2010 im Palais Großer Garten mit großem Erfolg gefeiert wurde, konnten neue Ergebnisse in einer Ausstellung publiziert werden. Diese Kooperation mit dem Sächsischen Vocalensemble e. V., dem Ausrichter des Robert-Schumann-Festes Dresden 2010, und der Geschäftsstelle Großer Garten stellte einen Höhepunkt des Projektes dar.

Im Nachgang der Ausstellung „Robert und Clara Schumann in Dresden“, die am 8. Juni 2010 im Palais Großer Garten Dresden eröffnet wurde, soll in einer Buchpublikation, deren Veröffentlichung noch in diesem Jahr geplant ist, alle Ergebnisse vorgestellt werden.
(Sara Kumbarji und Rita Sosedow)

Kontakt:
Technische Universität Dresden
Philosophische Fakultät
Institut für Kunst- und Musikwissenschaft
August-Bebel-Straße 20
01219 Dresden

Prof. Dr. Hans-Günter Ottenberg
Tel: +49 351 463-3 57 88
Fax: +49 351 463-3 57 01
E-Mail: Hans-Guenter.Ottenberg@tu-dresden.de

Sara Kumbarji, Rita Sosedow
E-Mail: schumann-projekt@web.de

Dr. Wolfgang Mende
E-Mail: Wolfgang.Mende@tu-dresden.de