Robert Schumann in Düsseldorf

Robert Schumann, damals mit seiner Familie schon seit Jahren (ab Dezember 1844) in Dresden lebend, erhielt zum Jahresende 1849 das Angebot, als Nachfolger seines Freundes Ferdinand Hiller (1811-1885) neuer Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf zu werden, eine Stelle, die er nach einigem Zögern und Zuspruch von Hiller angenommen hat. Abfahrt von Dresden war der 1. September 1850 und schon tags darauf kamen die Schumanns (neben Clara und Robert die in Leipzig und Dresden zur Welt gekommenen Kinder Marie, Elise, Julie, Ludwig und Ferdinand) abends in Düsseldorf an. Die Aufgaben des Düsseldorfer Musikdirektors umfassten die Leitung der Chorvereinigung und die Durchführung von zehn Konzerten jährlich mit dem Städtischen Orchester sowie weitere vier kirchenmusikalische Aufführungen. Die Position als Musikdirektor war und blieb Robert Schumanns erstes und einziges öffentliches Amt.

Der Empfang Robert Schumanns in Düsseldorf war sehr herzlich, aber auch mit großen Erwartungen verbunden. Schon am Tag nach der Ankunft machte das Ehepaar Schumann Antrittsbesuche, u. a. bei dem Akademiedirektor Wilhelm von Schadow und dem Akademieprofessor Carl Ferdinand Sohn, gute Kontakte, die Bestand hatten.

Trotz der nicht ganz einfachen Eingewöhnung in die rheinischen Verhältnisse und Problemen bei der Wohnungssuche bzw. beim Personal, waren die Schumanns beeindruckt von der Musikbegeisterung des Publikums. Das erste von Robert Schumann dirigierte Konzert in Düsseldorf am 24. Oktober 1850, in dem Clara Schumann das g-Moll-Klavierkonzert des verstorbenen Freundes Felix Mendelssohn Bartholdy spielte, fand großen Zuspruch und ließ für eine gute Zukunft Schumanns als Konzertdirektor hoffen. Noch im gleichen Monat beendete er die Komposition seines Konzerts für Violoncello op. 125 und schon im November entstand unter den Eindrücken der rheinischen Landschaft und seines neuen Umfeldes die Dritte Sinfonie Es-Dur op. 97, die sog. Rheinische, deren vierten Satz Peter Tschaikowski später mit den Worten huldigte, er sei „ein ebenso leuchtendes Denkmal der Größe des menschlichen Geistes … wie der [Kölner] Dom selbst. Das kurze, schöne Thema dieses Teils der Sinfonie, das gleichsam als musikalische Nachbildung der gotischen Linie dienen soll, durchdringt das ganze Stück, bald in Form des Grundmotivs, bald als kleinstes Zierwerk, dem Werk jene unendliche Mannigfaltigkeit in der Einheit verleihend, die den eigentümlichen Zug der gotischen Architektur bildet.“ Kurz hintereinander wurde Schumanns „Rheinische Sinfonie“ mit großem Erfolg in Düsseldorf – am 6. Februar 1851 unter Schumanns eigener Leitung – und in Köln mit Ferdinand Hiller als Dirigenten zur Aufführung gebracht. Doch die ungetrübte Publikumsbegeisterung hielt nicht an, die Aufführung der im Dezember 1850 fertig gestellten Ouvertüre zur „Braut von Messina“ fand kaum Zuspruch.

Trotzdem waren die folgenden Monate an neuen Kompositionen überaus ertragreiche, während Schumanns Autorität als Musikdirektor mit Beginn der Konzertsaison des Winters 1851 bei den Orchester- und Chormitgliedern zunehmend abnahm, was auch mit seinem labilen Gesundheitszustand zu tun hatte, der sich immer weiter verschlechterte. Neue Kraft führte ihm die Begegnung mit dem kaum zwanzigjährigen Johannes Brahms zu, der auf Empfehlung des gemeinsamen Freundes Joseph Joachim am 30. September 1853 in das Leben der Schumanns getreten ist. Nach Schumann „ein Genius“, nach Clara „wie eigens von Gott gesandt“, erfährt der in der Musikwelt noch kaum bekannte Johannes Brahms kaum drei Wochen nach seiner Ankunft in Düsseldorf unter dem Titel „Neue Bahnen“ eine enthusiastische Würdigung durch Robert Schumann in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ (29. Band, Nr. 18, 23.10.1853), die Brahms der Öffentlichkeit als „Berufenen“ vorstellt.

Nur wenige Wochen nach Brahms Abschied aus Düsseldorf (2. November 1853) wurde Schumann nahegelegt, sein Amt als Musikdirektor aufzugeben, eine Demütigung, für die das Ehepaar Schumann durch eine sehr erfolgreiche Konzertreise nach Holland entschädigt wurde und das Jahr mit einem fröhlichen Weihnachtsfest im Familienkreis abschließen konnte. Doch mit Jahresbeginn 1854 häuften sich Schumanns Gehörstäuschungen, Angstzustände und Bedrängungen, die schließlich in einen Selbstmordversuch mündeten: Am frühen Nachmittag des 27. Februar 1854 verließ Robert Schumann mit Hausschuhen in einem unbeobachteten Moment die Wohnung in der Bilkerstraße 15, ging zur nahe gelegenen Rheinbrücke und stürzte sich von der Mitte der Brücke in den Rhein. Er wehrte sich heftig, als Fischer ihn zur Rettung ins Boot zogen. Makabrerweise war es Rosenmontag, schon damals der Haupttag des rheinischen Straßenkarnevals, weshalb Schumanns Rückführung nach Hause von einer belustigten Volksmenge, die natürlich von den tragischen Vorgängen keine Kenntnis hatte, begleitet wurde.

Am 4. März 1854 wurde Robert Schumann, den schon vor Amtsantritt die ihm aus einem Buch bekannte Existenz einer Irrenanstalt in Düsseldorf unangenehm berührt hatte (vgl. in der „Fundgrube“ Schumanns Brief vom 3. Dezember 1849), auf eigenen Wunsch und auf Anraten der Ärzte in eine Nervenheilanstalt gebracht. Die Wahl fiel auf die fortschrittliche Einrichtung des Bonner Arztes Dr. Richarz, die dieser 1844 in einem ehemaligen Landhaus in Endenich bei Bonn eingerichtet hatte. Robert Schumann behielt bis zu seinem Tode die Bezüge als Düsseldorfer Musikdirektor, die allerdings fast zur Gänze für seine Unterbringung in der Endenicher Anstalt gebraucht wurden.

(I.B.)



Vgl. zu Robert Schumanns Leben und Wirken als Musikdirektor in Düsseldorf auch die ausführliche Darstellung auf der Website des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf e. V. gegr. 1818: www.musikverein-duesseldorf.de. Über die Rubrik Chor gelangt man auf die Unterseite Lebenslauf / Chronik mit kalendarischer Darstellung zu Schumann ab 1850.