Robert und Clara Schumann in Baden-Baden

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Baden-Baden avancierte im 19. Jahrhundert zur Capitale d’été und zu einem Modebad, in dem das Kurieren eines Leidens oft nur noch Nebensache war. Das Konversationshaus – heute Kurhaus – war beliebter Treffpunkt der Gäste aus Literatur, Musik, Kunst, Wissenschaft und Adel. Auch Robert Schumann hat dreimal Baden-Baden besucht.

Am 5. und 6. Juli 1829 und am 5. und 6. August 1830 waren es fröhliche Sommerausflüge des Heidelberger Jurastudenten, der freilich kaum studierte sondern viel Klavier spielte und das Leben mit seinen Kommilitonen in vollen Zügen genoss.

Er besuchte mit seinen Freunden Spielbank und Theater, flirtete und traf 1830 den jungen, aber schon sehr erfolgreichen Geiger Heinrich Wilhelm Ernst, was ihn in seinem Entschluss, Musiker zu werden, bestärkte. Damals spielte er auch auf einem Flügel im Konversationshaus Klavierstücke von Franz Schubert, seinem Lieblingskomponisten.

Am 23. Juli 1851 verbrachte Schumann mit seiner Frau Clara auf der Durchreise in die Schweiz einen ganzen Tag in Baden-Baden. Er traf dort im Konversationshaus den Pianisten und Komponisten Johann Peter Pixis, der in Baden-Baden lebte, den Donaueschinger Hofkapellmeister Johann Wenzel Kalliwoda, dessen Werke er schätzte und dem er seine „Intermezzi“ op. 4 gewidmet hatte, sowie dessen Sohn, den in Karlsruhe wirkenden Komponisten, Dirigenten und Pianisten Wilhelm Kalliwoda und außerdem den bekannten Cellisten Bernhard Crossmann. Tagebuchnotizen erzählen von der Teilnahme Schumanns am gesellschaftlichen Leben in Baden-Baden bei allen drei Aufenthalten.

Clara Schumann entschloss sich 1862 – sechs Jahre nach dem Tode Robert Schumanns – sich und ihren Kindern im heutigen Baden-Badener Stadtteil Lichtental eine Heimat zu geben und kaufte mit Hilfe ihrer Freundin, der berühmten Sängerin Pauline Viardot, von der Advokatenwitwe Becker ein Häuschen an der Lichtentaler Allee (heute Hauptstr. 8). Von 1863 bis 1873 wohnte sie mit ihrer Familie dort.

Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von Clara-Schumann
[Abb. 2] Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von Clara Schumann (heute in Privatbesitz) in der Hauptstr. 8, Baden-Baden. Gestiftet und eingeweiht 1959 von der Frankfurter Robert-Schumann-Gesellschaft. (Foto: Eva M. Gehann)

Die berühmteste Pianistin ihres Jahrhunderts bereitete hier im Sommer ihre internationalen Konzertreisen der kommenden Saison vor, unterrichtete, traf sich mit Familie und internationalen Freunden und trat in Baden-Baden sowohl in Salons – z.B. Viardot – als auch in öffentlichen Konzerten häufig auf; oft mit ihrem lebenslangen Freund Johannes Brahms, der ab 1865 nicht weit von ihrem Haus regelmäßig eine Sommerwohnung bezog und dort wesentliche Kompositionen schuf bzw. vollendete (bis 1874). Das heutige ["Brahmshaus"], Maximilianstraße 85, kann besichtigt werden.

Baden-Baden, Blick vom Gesellschaftshaus, um 1850
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Baden-Baden, Blick vom Gesellschaftshaus, um 1850