Schumanns „Waldszenen“ als Faksimile Piano News

Piano News
Magazin für Klavier und Flügel
Juli/August 4/2006

Besprechung von Carsten Dürer zu:
Robert Schumann
Waldszenen Op. 82
Faksimile-Druck des Autografs
Kommentar von Margit L. McCorkle
HN 3117
EUR 53,-


Faksimile-Drucke von älteren Kompositionen geben uns immer wieder einen Einblick in die Welt des Komponisten. Wen wir schon nicht in der Lage sind, die Handschrift selbst als geschichtliches Zeugnis in unsren Händen zu halten, dann können wir aber dennoch mit einem Abdruck dieser Handschrift erahnen, wie der Komponist arbeitete. So ist es auch im Falle des soeben im Henle-Verlag erschienenen Faksimile-Drucks der „Waldszenen“ Robert Schumanns.

Das Jahr 1848, in dem der Zyklus („Waldszenen“ geschrieben wurde, war nicht nur in Deutschland selbst ein besonderes Jahr. Immerhin war die deutsche Revolution im Gange – und Schumann nahm durchaus Teil an dem, was da auf den Straßen passierte. Aber als er sich als Erstes der Niederschrift des „Album für die Jugend“ Op. 68 zuwandte und dann später mit den Waldszenen einen weiteren leichteren Zyklus für Klavier schuf, hatte er sich jahrzehntelang nicht mit seinem Instrument, dem Klavier, beschäftigt. Die bekanntesten Kompositionen Schumanns, die großen Kompositionen und Werkzyklen für das Instrument, stammen aus den kompositorischen Anfängen Schumanns. Nun also leichte Werke. Warum? Nun, als Erstes, da seine Tochter Marie 1848 gerade sieben Jahre alt geworden war, zum anderen, da er nun mehr das häusliche Leben zu genießen begann. Das Biedermeier-Zeitalter hielt auch bei den Schumanns Einzug.

Die Waldszenen sind keine schwierige Klavierliteratur. Und dennoch spricht hier ein typischer Schumann zu den Interpreten, ein gereifter, der auch in der Lage ist, mit Einfachheit die Emotionen der Zuhörer zu wecken. Der Faksimile-Druck ist vom in Paris aufbewahrten Autograf abgenommen. Es zeigt, dass Schumann beständig an diesen Werken noch gearbeitet hatte, dass er Korrekturen vornahm, beispielsweise bei dem Zyklus mit acht Stücken änderte er nach dem Einschub von „Der Vogel als Prophet“ die Anzahl in Neun um. Dennoch ist das Autograf bestechend sauber gearbeitet, man kann jegliche Noten lesen, so dass dieses auch als Vorlage für den Stich ausreichte. Und so findet man in diesem Autograf zudem Notizen des Notensetzers des Verlages, so dass leicht zu erkennen ist – vergleicht man dieses Autograf mit einem heutigen Notendruck – was vom Komponisten stammt und was vom Verlag hinzugefügt wurde.

Es ist spannend, zu sehen, welche Dinge Schumann später für die Druckvorlage strich, welche Ideen er verwarf. Es ist ein lebendiges Zeugnis, das da vor uns liegt. Da kann man dem Henle-Verlag dankbar sein, dass er uns zu einem akzeptablen Preis einen solchen Einblick in den Charakter und die Arbeitsweise von Schumann gibt. Denn nicht nur für den Profi, sondern auch für den Laien ist dieser Faksimile-Druck eine Inspiration für das Spiel der „Waldszenen“.

Carsten Dürer


   

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