Rosalie Leser (um 1812 o. 1815 – 1896)

Rosalie Leser, Altersbildnis.
Rosalie Leser, Altersbildnis. Reproduktion eines Fotos aus dem Robert-Schumann-Haus, Zwickau

Rosalie Leser, eine schon im Alter von 9 Jahren erblindete Düsseldorfer Unternehmertochter und Kunstliebhaberin, war seit 1850 eine Familienfreundin der Schumanns. Robert Schumann widmete ihr sein Opus 126, die Sieben Clavierstücke in Fughettenform, und sie war die Patin der jüngsten Schumann-Tochter Eugenie.

Nach Roberts Einlieferung in die Nervenheilanstalt Bonn-Endenich wurde die schwangere Clara zu Rosalie Leser gebracht, die mit ihrer Freundin Elise Jungé bis zu deren Tod 1875 zusammenlebte. Rosalie wurde Claras enge Vertraute und eine große Stütze in der schweren Zeit von Roberts Krankheit und Tod. Auch nach dem Wegzug aus Düsseldorf blieb der enge freundschaftliche Kontakt bestehen.

Als Clara das Häuschen in Lichtenthal bei Baden-Baden gekauft hatte, verbrachte auch Rosalie Leser die Sommer in der Nähe ihrer Freundin. Clara Schumann besuchte sie regelmäßig, meist zweimal im Jahr, und feierte beispielsweise auch bei ihr Weihnachten. Sie spielte ihr vor und führte sie spazieren. Regelmäßig berichtete Clara ihr in Briefen von ihrem Leben. Bereits Ende Januar 1854 hielt Clara in ihrem Tagebuch fest: „Ich gehe fast nur mit ihr um und verlange auch nicht nach mehr Umgang; sie versteht mich ganz und sieht zu Robert mit größter Verehrung auf.

Dies fesselt mich doppelt an sie. Sie weiß auch der Freundschaft Opfer zu bringen, oder vielmehr sie empfindet eben so wahr für uns, dasss ihr z. B. trotz ihrer großen Musikliebe gar nicht schwer wird, aller Musik zu entsagen, wobei wir nicht beteiligt sind...“ Ihr Patenkind Eugenie schrieb über Rosalie Leser, sie habe klaren Verstand, ein warmes Herz und feinsten Takt besessen und sei außerdem sehr verschwiegen gewesen.

Der letzte Brief Claras an die Freundin stammt vom 16. März 1896. Drei Tage vor Clara Schumann starb Rosalie Leser.

(J.M.N.)