Julia M. Nauhaus: Musikalische Welten Clara und Robert Schumanns Verbindungen zu Braunschweig

424 S., 69 Abb., kommentiertes Register
Sinzig: Studio • Verlag, 2010
ISBN: 978-3-89564-145-9

Das Thema dieses Buches gibt deutlich mehr her, als man zunächst vermutet. Tatsächlich offenbart sich eine breite Palette vielfältiger Aspekte, stehen doch unter anderem hochrangige Namen auf der Liste jener Personen in Braunschweig, zu denen die Schumanns Beziehungen unterhielten. Neben dem Geiger und Komponisten Louis Spohr, dem Komponisten, Pianisten und Dirigenten Gottlob Wiedebein sowie dem exzentrischen Schrifsteller Robert Griepenkerl ist da nicht zuletzt die renommierte Klavier-Manufaktur Grotrian-Steinweg zu nennen. Gemeinsam hielt das Ehepaar Schumann die Kontakte nach Braunschweig aufrecht, machte hier auf Konzertreisen Station und förderte manche Beziehung zusätzlich durch einen regen Briefwechsel. Mit Louis Spohr tauschte sich Robert Schumann intensiv aus, wobei es primär um kompositorische und musikalische Themen ging, was die von der Autorin übertragenen und kommentierten Briefe dokumentieren. Auch mit Gottlob Wiedebein, Vater und Sohn Griepenkerl sowie Henry Litolff korrespondierte Schumann in einer für alle Beteiligten fruchtbaren Weise.

 

So spannt sich der Bogen von Clara Wiecks erster, noch unter der Obhut und in Begleitung des Vaters unternommener Konzertreise im Winter 1834/35 bis hin zu ihrer letzten Bestellung eines Flügels bei Grotrian-Steinweg im September 1895, wenige Monate vor ihrem Tod. Während die junge Clara Wieck bei ihrem ersten Besuch zunächst kostenlos in privaten Kreisen spielen musste, bis sie genügend zahlende Gäste für ein öffentliches Konzert interessiert hatte, sah die Situation 25 Jahre später schon ganz anders aus: Clara Schumann konzertierte 1860 mit dem berühmten Geiger Joseph Joachim im voll besetzten Saal des Odeon und logierte im vornehmsten Hotel Braunschweigs. Während Clara Wieck bei ihren ersten Konzerten in Braunschweig noch auf dem Graf-Flügel eines ortsansässigen Kaufmanns spielen musste, konnte Clara Schumann es sich nun leisten, ihren eigenen Konzertflügel der Pariser Firma Erard mitzubringen. Aus der eher geschäftsmäßigen Korrespondenz mitdem Klavierbauer GrotrianSteinweg, die Julia Nauhaus in ihrem Buch auf vorbildliche Weise ediert hat, geht zum einen hervor, wie sehr Clara Schumann als international anerkannte Pianistin die Instrumente dieses Hauses schätze, zum anderen aber auch welch durchaus hohe Ansprüche sie generell an ihre Konzertflügel stellte.

Die Autorin zeichnet, spannend formuliert und in angenehm zu lesendem Stil, ein interessantes Bild des Konzertierens bzw. Konzertreisens und dem damit verbundenen hohen Organisationsaufwand im 19. Jahrhundert, wozu auch das Musizieren im häuslichen Kreis zählte. Nicht nur unterschiedliche Facetten von Clara Schumanns Persönlichkeit werden herausgearbeitet, sondern auch Robert Schumann zeigt sich vielseitig sowohl als junger „Davidsbündler“ und Komponist als auch in seiner Rolle als Musikschriftsteller und selbstbewusster Redakteur der Neuen Zeitschrift für Musik sowie in Verlagsverhandlungen zur Drucklegung seiner Werke. Nicht zuletzt wirft das Buch einen aufschlussreichen Blick auf das Musikleben der Stadt Braunschweig, dessen Vielfältigkeit und besondere Prägung im 19. Jahrhundert durch das allmählich erstarkende Bürgertum und dessen Musizierpraxis. Julia Nauhaus vermag durch ihre Ausführungen die besondere Atmosphäre und spezifische Situation auch dem interessierten Laien einleuchtend darzustellen. Ihre sorgfältige Edition der Briefe und Quellen werden sinnvoll eingebettet und erläutert. Ein Anhang mit Verzeichnissen und Registern rundet dieses lesenswerte Buch ab.

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