Schumanns Schweizerreise 1829

11. Oktober 1829 - Feldkirch

Maienfeld mit Kirche und Schloss um 1930
1. Maienfeld mit Kirche und Schloss um 1930

Sonntags, den 11ten October – hier u. da blaue Streifen am Himmel – später der ganze Himmel weissblau – monoton u. ekelhaft – Brief an Carl  - die wohlfeile Rechnung – der Kutscher, eine ahre zerdrückte Wanze oder Filzlaus – war aller Freund – Trödler, Pferdehändler, Studiosus. Der Chirurgie in Jena, Wechsler, Schmuggler, Raufbold, Grobian, Lohnkutscher pp., aber Aller guter Freund u. treu, glaub‘ ich – 4 (v) Thaler bis nach Lindau – gute Cigarren – gute Unterhaltung mit ihm – Appetit u.Mittagessen in Maienfeld (1), wo man am ersten Thor das letzte sieht – traurige Nester – des Kutschers höchst komische Erzählung von d. Theater u. seiner Ohrfeige – Lachen u. sehr komischer Effect – Abschied aus der Schweiz u. oestreichische Gränze – Freude, auf deutschem Boden zu seyn – deutsche Gesichter u. die grossen Dragonerhauben – Ankunft in Feldkirch, e. freundliche, kleine Stadt – ein gemeines Wirthshaus a la Demmrich – Gang zum Bäcker – guter Wein – guter Flügel – das Mädchen – ihre Entzückung – „Nein, ich singe nicht“ – sie sang – Abschied von ihr u. Händedruck – Abendessen mit dem Wirth u. der Wirthin an der Tafel – guter Schlaf 

Lindau, Stich 1830
2. Lindau, Stich 1830

Montags, am 12ten October – Aufbruch aus Feldkirch um 6 Uhr – Hundekälte – die Sonne u. ihre geküssten Alpen – schöner, herrlicher Anblick – Morgenhimmel – Abschied von d. Alpen – Bad Hohenems mit dem Schild „Bad und Wirtshaus zum Schwebel“ – der fortgehende Herr Matthes – seine Erzählung v. den Jüdinnen u. meine Caprizen – Bregenz – schlechte Kneipe u. guter Wein u. der verlangte Pass – der grosse Bodensee – seine Wellen u. Erinnerung an Dich, Graf Sarntheim! – mir der liebste See – Lindau (2), ein kleines Venedig u. Aehnlichkeit des Meeres – Spaziergang längs des See‘s hin – Ankunft in Lindau – Lindau– echte, deutsche Stadt wie Zwickau – Nichts – Fieberhitze – gutes Gasthaus – Schlummer u. der Landsmann Oschatz aus Schönheide – Einsamer Spatziergang am See  u. durch die Stadt, in der alle Menschen grüssen – Lectüre des reisenden Teufels* u. des Landboten, so wie des Calenders – Abendessen – die Schweizermädchen u. mein lederner Nachbar – Nichts - - - schreckliche Nacht – aber derber Schlaf 

 

*Der reisende Teufel. Eine gemeinnützige und satyrische Unterhaltungsschrift (Negle, München 1828/32)

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