Gelebte Liebe

Ein literarisch-musikalischer Schumann-Abend

Kaum ein prominentes Brautpaar hat sich so intensiv (Liebes-)Briefe geschrieben wie Clara Wieck und Robert Schumann. Der ebenso schwärmerisch zärtliche wie heitere, aber auch fordernde, nachfragende, manchmal tiefernste, sogar verbitterte Ton berührt, ergreift und amüsiert noch heute. Wann je schenkt und widmet überdies ein Mann "seiner geliebten Braut" einen ganzen Zyklus von 26 selbstkomponierten Liedern?

Die Sammlung "Myrten", im Prinzregententheater abwechselnd gesungen von Iván Paley und Chen Reiss, bekam seinen symbolischen Titel erst, als Clara Robert einen Myrtenkranz flechten wollte, wie sie ihm schriftlich bekannte. 432 Briefe haben die beiden zwischen August 1837 und September 1840 ausgetauscht, als sie sich kaum und dann nur heimlich treffen konnten. Martina Gedeck und Sebastian Koch trugen eine Blütenlese der Briefe - verzahnt mit den "sprechenden" Liedern - vor, begannen mit einem Kondensat all der Kosenamen, mit denen sich Clara und Robert begrüßten. So wurde aus einem Miteinander von Lyrik, Musik und Brief-Prosa trefflich ein neuer Braut-Kranz geflochten.

Koch gab dabei den vergleichsweise nüchternen Bräutigam, Gedeck die zärtliche, manchmal neckische Braut - gespiegelt in den Sängern. Paley und Reiss setzten auf Natürlichkeit und weniger auf den Anspruch, "Kunst" zu machen. Das hatte den Nachteil, dass die helle Stimme der Sopranistin im Ausdruck manchmal allzu farblos blieb und der Bariton die musikalische Feinzeichnung in den Hintergrund rückte. Daher blieb wohl auch Justus Zeyen am Flügel allzu zurückhaltend. Dennoch konnte man diesen leichten, poetischen Abend auf vielfältige Weise genießen.

KLAUS KALCHSCHMID


Süddeutsche Zeitung, 14.12.2007, Ausgabe Bayern, München, S. 46

Ressort: Münchner Kultur
Rubrik: Theaterkritik