Bericht zum XV. Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerb für Klavier und Gesang

von Philip Förster, Bonn

Vor dem Schumann-Haus in Zwickau (Foto: Philipp Förster)

Am 13. und 14. Juni 2008 fanden in Zwickau die Endprüfungen des XV. Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerbs für die Fächer Klavier und Gesang statt. Traditionell endete der Wettbewerb mit einem Preisträgerkonzert am 15. Juni (19 Uhr), das beim Publikum Begeisterungsstürme auslöste und die gelungenen Wettkampftage abrundete. Spielstätte für die Endrunde war der wunderschöne  Jugendstilsaal des Konzert- und Ballhauses „Neue Welt“, der schon zuvor für die beiden Auswahlprüfungen im Fach Klavier als Austragungsort gedient hatte, während die Auswahlprüfungen Gesang im Zwickauer Gewandhaus stattgefunden haben. 

Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“ in Zwickau (Foto: Philip Förster)
Jugendstilsaal der „Neuen Welt“ (Foto: Philip Förster)

Von den insgesamt 108 Teilnehmern, die sich der ersten Auswahlprüfung (6.-9. Juni) im Wettbewerbsprogramm Klavier bzw. – unterteilt in die Kategorie Damen und Herren – im Wettbewerbsprogramm Gesang gestellt haben, wurden nach Abschluss der zweiten Auswahlprüfung (10.-12. Juni) 12 Sänger (6 Herren und 6 Damen) sowie 6 Pianisten zur Endprüfung (13. -14. Juni) zugelassen.
 
Während im Fach Klavier bei der Endprüfung Japan die meistvertretene Nation war (4 von 6 Teilnehmern), dominierten deutsche Sänger das Endrunden-Teilnehmerfeld im Fach Gesang (8 von 12 Teilnehmern). Jeweils am Freitag und Samstag stellten sich zuerst die Sänger und anschließend die Pianisten einer 11-köpfigen Jury unter Vorsitz von Edith Wiens (Gesang) bzw. Klaus Hellwig (Klavier), aber auch einem aufmerksamen Publikum, was zu einer für Teilnehmer und Zuhörer angenehmen Konzert-Atmosphäre beitrug.

Im Mittelpunkt standen Werke Robert Schumanns, wobei die Teilnehmer schon bei der Anmeldung zum Wettbewerb angeben mussten, welche Werke aus der von der Jury vorgegebenen Vorschlagsliste von ihnen vorgetragen würden. Die Sänger konnten entweder die „Zwölf Gedichte von Justinus Kerner“ op. 35 oder die „Dichterliebe“ op. 48 wählen bzw. sich für mehrere kürzere Kompositionen von Robert Schumann für den insgesamt ca. 35-minütigen Vortrag entscheiden. Die Pianisten hatten bei der Endprüfung die Wahl zwischen dem Klavierkonzert a-moll op. 54 oder der Introduktion und Allegro appassionato – Konzertstück G-Dur op. 92 und Konzert-Allegro mit Introduktion d-Moll op. 134. Während die Wahl der Sänger variierte, wählten alle sechs Pianisten das Klavierkonzert a-Moll op. 54, das sie mit Begleitung des Philharmonischen Orchesters Plauen-Zwickau unter der Leitung von Georg Christoph Sandmann vortrugen. Dies ermöglichte direkte Vergleiche und demonstrierte gleichzeitig völlig unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten.
Publikumsgunst und Juryurteil stimmten bei der Bewertung der Vorträge nicht immer ganz überein, wobei die Juroren auch die Leistungen in den vorhergegangenen Auswahlprüfungen in die Benotung einfließen lassen mussten. So stach bei der Endprüfung unter den Pianisten besonders der erst 19-jährige Koreaner Da Sol Kim heraus, der mit seiner ausdrucksstarken Spielweise das Publikum in seinen Bann zog und durch den begeisterten Beifall gleich dreimal zur Verbeugung auf die Bühne geholt wurde. Den Grund, Kim „nur“ den dritten Platz und damit die Bronzemedaille zu verleihen, erklärt der Vorsitzende der Jury für Klavier, Klaus Hellwig: „Sein Auftritt hatte sehr viel mit Klavierspiel zu tun, aber nicht so sehr viel mit Robert Schumann“ (Quelle: „Freie Presse - Zwickauer Zeitung“). Den ersten Platz belegte die 29-jährige Japanerin Mizuka Kano, die eine Goldmedaille sowie ein Preisgeld von 7.500 Euro erhalten hat. Die Silbermedaille und damit ein Preisgeld von 5.000 Euro bekam die ein Jahr jüngere Akiko Nikami, ebenfalls aus Japan.  

Mizuka Kano (Japan), Siegerin im Fach Klavier   
(Abbildung: Dr. Theo Stiegler: „Der Zwickauer“. http://www.derzwickauer.de/schumannpreis_2008.html)

Im Fach Gesang erntete vor allem der polnische Bassbariton Tomasz Wija frenetischen Beifall nach seiner gefühlvollen Interpretation des Schumann-Werkes „Zwölf Gedichte des Justinus Kerner“ op. 35. Der 26-Jährige bekam von der Jury den zweiten Platz zugesprochen. Ebenfalls Silber erlangte der 31-jährige Bariton Christoph Pohl aus Deutschland mit dem Schumannschen Liederzyklus „Dichterliebe“ op. 48. Die Bronzemedaille erhielt der 28-jährige Bariton Jesse Blumberg aus den USA mit Robert Schumanns Werken „Drei Gesänge aus Lord Byrons Hebräischen Gesängen“ op. 95 und „Liederkreis von Heine“ op.24. Der erste Preis wurde unter den Herren in diesem Jahr nicht vergeben.

In der Kategorie der Damen errang die 27-jährige Mezzosopranistin Anne-Theresa Albrecht mit ihrer Interpretation der „Gedichte der Königin Maria Stuart“ op. 135 und „Sechs Gedichte von Lenau und Requiem“ op. 90 den ersten Platz. Sie bestach vor allem durch ihre ausdrucksstarke Mimik und Gestik während des Vortrages. Den zweiten Preis bekam die 26-jährige deutsch-chilenische Sopranistin Carolina Ullrich, den dritten Preis teilten sich die 31-jährige Sopranistin Julia Hajnóczy aus Ungarn und die gleichaltrige Mezzosopranistin Sophie Harmsen aus Deutschland.  Marcelo Amaral aus Brasilien erhielt einen mit 2.500 Euro dotierten Sonderpreis als bester Liedpianist des XV. Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerbs 2008.

Anne Theresa Albrecht (Deutschland), Siegerin im Fach Gesang der Damen. Am Klavier Claar ter Horst.
(Abbildung: Dr. Theo Stiegler: „Der Zwickauer“. http://www.derzwickauer.de/schumannpreis_2008.html)

Nach Verklingen des letzten Tones der Endrunde stellte sich für die Jury am Samstagabend etwa eine Stunde lang die schwere Aufgabe, die Auswertung der hochwertigen Vorträge vorzunehmen. „Wir hören alle dasselbe, aber jeder von uns legt auf andere Dinge Wert“, so der Vorsitzende der Jury für Klavier Klaus Hellwig (zitiert aus: „Freie Presse - Zwickauer Zeitung“). Dabei war nicht in erster Linie der einzelne Vortrag, sondern vielmehr der individuelle Verlauf während des Wettbewerbs von Bedeutung, wie der polnische Juror Andrzej Jasinski betont: „In unsere Wertung ist stets die gesamte Wettbewerbsleistung des Kandidaten eingeflossen“ (zitiert aus: „Freie Presse – Zwickauer Zeitung“).

Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen der Preisträger, die am Nachmittag im Schumann-Haus für ihre Leistungen im Wettbewerb geehrt wurden. Dr. Gerd Nauhaus, Vorsitzender des Internationalen-Robert-Schumann-Wettbewerbs und Vorsitzender der Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau, hob in seiner Rede zur Preisverleihung besonders den emotionalen Wert der Musik Schumanns hervor, die einen Ausgleich zum technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt der heutigen Zeit schaffen könne. Insbesondere dankte Nauhaus den Teilnehmern, ohne die es einen Wettbewerb wie diesen nicht gebe, aber auch den Juroren und Rezipienten, die ebenso für das Gelingen des Wettbewerbs beigetragen haben.
 

Dr. Gerd Nauhaus bei der Auszeichnung der Preisträger im Schumann-Haus Zwickau (Foto: Philip Förster)

Mit Bezug auf die zur Zeit stattfindende Fußball-Europameisterschaft kam Dr. Gerd Nauhaus auch auf den sportlichen Charakter eines Musik-Wettbewerbs zu sprechen. Die Herausforderung, Runde um Runde um das Weiterkommen kämpfen zu müssen, verlange den Kandidaten sehr viel ab, wie der drittplatzierte Sänger Jesse Blumberg nach der Preisverleihung in perfektem Deutsch bestätigte: „Es war sehr anstrengend, besonders die letzten Tage waren sehr intensiv“. Für ihn war der Wettbewerb ein voller Erfolg: „Ich bin sehr glücklich über den 3. Platz, er bedeutet mir sehr viel. Dieser Erfolg bringt mir in den USA auch Anerkennung, da der Robert-Schumann-Wettbewerb dort renommiert ist“, so Blumberg. Scherzhaft fügte er mit einem Lachen hinzu, dass der Preis natürlich auch die Sicherung seines Rückflugtickets in die USA bedeute.    

Jesse Blumberg (USA), 3. Preis im Fach Gesang der Herren, bei der Preisverleihung im Schumann-Haus, rechts neben ihm Edith Wiens, die Jury-Vorsitzende im Wettbewerbsprogramm Gesang und Gerd Nauhaus (Foto: Philip Förster)

Ausgezeichnet und beglückwünscht wurden die Preisträger durch Gerd Nauhaus, Dietmar Vettermann (Oberbürgermeister der Stadt Zwickau), Joachim Lemmermeyer (Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Zwickau) sowie durch den Vorsitzenden der Jury im Fach Klavier Klaus Hellwig bzw. im Fach Gesang Edith Wiens. Neben den Preisen für die ersten drei Plätze und dem Sonderpreis wurden auch Diplome an die 4.- bis 6.-platzierten Kandidaten vergeben.
Am Abend fand schließlich um 19 Uhr das traditionelle Preisträgerkonzert im Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“ statt, bei dem die siegreichen Kandidaten der Plätze 1 bis 3 selbstgewählte Werke Schumanns und anderer Komponisten vortragen durften. Das Konzert begann mit Schumanns Ouvertüre zu Goethes „Hermann und Dorothea“ op. 136, gespielt vom Philharmonischen Orchester Plauen-Zwickau. Im Anschluss sangen und spielten die Preisträger spürbar gelöst und befreit von dem Druck der vergangenen Tage und bereiteten so dem Publikum im nahezu ausverkauften Saal einen gelungenen Abschluss des Wettbewerbs und einen wunderbaren Abend, der mit den Vorträgen der beiden 1. Preisträger Anne-Theresa Albrecht und Mizuka Kano sein Ende fand.

Die Preisträger des XV. Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerbs:
stehend v.l.n.r.: Akiko Nikami, Japan (2. Preis Klavier), Da Sol Kim, Korea (3. Preis Klavier), Mizuka Kano, Japan (1. Preis Klavier), Dr. Gerd Nauhaus (Vorsitzender des Wettbewerbs), Tomasz Wija, Polen (2. Preis Gesang), Sophie Harmsen, Deutschland (3. Preis Gesang), Anne-Theresa Albrecht, Deutschland (1. Preis Gesang), Julia Hajnóczy, Ungarn (3. Preis Gesang) und Jesse Blumberg, USA (3. Preis Gesang)
sitzend v.l.n.r.: Christoph Pohl, Deutschland (2. Preis Gesang), Carolina Ullrich, Deutschland/Chile (2. Preis Gesang) und Marcelo Amaral, Brasilien (Sonderpreis "Bester Liedpianist")   

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