Wolfgang Seibold
Clara Schumann und ihr Vater – ein nicht einfaches Verhältnis1
In das Thema sollen drei Aussagen über Wieck einstimmen.
Robert Schumann schrieb an Clara Wieck 1837: „Die Unterhaltung mit Ihrem Vater war fürchterlich. Diese Kälte, dieser böse Willen, diese Verworrenheit diese Widersprüche – er hat eine neue Art zu vernichten, er stößt einem das Messer mit dem Griff in das Herz. [...] Vergebens suche ich nach einer Entschuldigung für Ihren Vater, den ich doch immer für einen edeln menschlichen Mann gehalten.“ (SBE I.4: 286)
1839 notiert Clara in ihr Tagebuch: „Gestern hat mich Vaters Anblick sehr erschüttert; doch stimmte mich ein wehmüthiger Blick von Ihm weich so waren es seine rauhen Worte oft die mich wieder verletzten und erkälteten. Ich begreife seine Härte nicht, und seinen entsetzlichen Haß auf Robert den er früher so sehr liebte, auch nicht. Er machte Robert sehr schlecht und zerriß mir bald das Herz damit; er kann sich keinen Begriff von meiner Liebe machen, sonst handelte er anders.“ (CSTb: 339)
Und nach ihres Vaters Tod schreibt Clara 1873 an ihre Freundin Emilie List: „Ich habe den Vater sehr lieb gehabt, in ihm ja auch eigentlich Vater und Mutter, unendlich viel danke ich ihm, nicht nur künstlerisch sondern auch in praktischer Lebensanschauung, in Principien, naturgemäßer körperlicher Pflege, wodurch ich ja auch wieder auf meine Kinder günstig einwirken konnte. In der Kunst waren unsere Ziele nicht immer Dieselben, aber die Inspiration für Diese, die Pietät, ich möchte sagen, Heilighaltung der Kunst, das danke ich ihm, er pflanzte diese Empfindungen schon in meine Kinderseele, und hat sie selbst bis zu seinem letzten Athemzuge bewahrt.“ (CS-List 1996: 314)
Wer war nun Johann Gottlob Friedrich Wieck? In Lexikas stehen verschiedene Berufe: Musiker, Komponist, Musikschriftsteller, Musikkritiker, Musiklehrer, Klavierlehrer, Gesangslehrer. Er wurde 1785 geboren, studierte Theologie, verdiente nach Abschluss seines Studiums sein Brot als Hauslehrer, bevor er sich 1815 mit dreißig Jahren als Klavierlehrer in Leipzig niederließ und dort ab 1818 auch Inhaber einer Klavier- und Musikwarenhandlung war.
1816 heiratete er, 31 Jahre alt, eine neunzehnjährige ehemalige Schülerin, die Sängerin und Pianistin Mariane Tromlitz. Diese Ehe hielt nur einige Jahre, denn 1824 verließ Mariane Wieck ihren Mann, und das Paar wurde 1825 geschieden. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, u.a. Clara Josephine Wieck. Drei Jahre nach der Scheidung heiratete Wieck wieder; dieses Mal war seine Frau sogar zwanzig Jahre jünger als er: Clementine Fechner. Auch aus dieser Ehe gingen Kinder hervor, u.a. die als Pianistin bekannte Marie Wieck.
Was gibt das Tagebuch der Clara Wieck, das erst seit sechs Jahren in gedruckter Fassung vorliegt, zu unserem Thema her? Eigentlich sollte man meinen, dass dies ein von ihr selbstgeschriebenes Tagebuch ist, doch weit gefehlt, es ist eigentlich der Lebenslauf von Clara Wieck bis zu ihrer Heirat 1840 und dazu heißt es auch auf der ersten Seite: „Mein Tagebuch angefangen von meinem Vater d. 7 Juni 1827., und fortzusetzen [...] von Clara Josephine Wieck.“ (CSTb: 35) Und so ist der Vater Friedrich auch der einzige Chronist, bis sich schließlich am 16. März 1828 – Clara ist ganze 8½ Jahre alt – zum ersten Mal in ihrer Handschrift 16 Worte finden. Erst ab Januar 1831 kommen weitere wenige Clara-eigene Einträge hinzu. Zum letzten Mal lässt sich die handschriftliche Eintragung Wiecks am 5. Juli 1838 nachweisen, dann führt Clara ohne die Oberaufsicht ihres Vaters das Tagebuch alleine weiter.
Wie erlebt Wieck die heranwachsende Tochter? Hier nun einige tadelnden Einträge Wiecks. Im Juni 1827 – sie war noch nicht 8 Jahre alt – heißt es: „Mein Vater tadelt jetzt besonders an mir einen gewissen Neid, – Vergnügungssucht – kindische Empfindlichkeit, – und einen sonderbaren Hang, sich nie in der Gegenwart und an dem Gegenwärtigen zu freuen. Das letztere bekümmert meinen Vater am mehrsten, weil ich deßwegen selten zufrieden erscheine und immer ein ‚Aber’ und ein ‚Wenn’ in den Weg tritt.“ (CSTb: 42) Und im August desselben Jahres lesen wir: „Seit 3 Monat[en] klagt mein Vater sehr über meine nun eingetretenen Flegeljahre. Heute an seinem Geburtstage sagt mit mein Vater, daß sie sich verlieren anfangen, was mich herzlich freuet.“ (CSTb: 43) Aber schon ein Jahr später gibt es richtigen Zoff: „Mein Vater, der längst schon vergebens auf eine Sinnesänderung von meiner Seite gehofft hatte, bemerkte heute nochmals, daß ich immer noch so faul, nachlässig, unordentlich, eigensinnig, unfolgsam pp sey, daß ich dieß namentlich auch im Klavierspiel und im Studiren desselben sey und weil ich Hünten neue Variat. O[pus]. 26 in seiner Gegenwart so schlecht spielte und nicht einmal den ersten Theil der 1ten Variation wiederholte so zerriß er das Exemplar vor meinen Augen und von heute an will er mir keine Stunde mehr geben und ich darf nichts weiter spielen, als die Tonleitern, Cramer Etuden [...] u Czerny Trillerübungen. In meine Stunde früh 8 Uhr sollen nun meine Brüder [Alwin, Gustav] das Klavier lernen u Morgen fängt mein Vater mit ihnen an.“ (CSTb: 48)
Und Friedrich Wieck hatte so seine Probleme nicht nur mit der Tochter Clara, sondern auch mit Menschen, die ihm sein Wunderkind neideten; im Januar 1831 steht über eine Dresdenkonzertreise im Tagebuch: „Unter vielen aus Neid erzeugten Verläumdungen sind folgende um so merkwürdiger, als die Kapellmeisterin Reissiger dieselben meinem Vater ins Gesicht sagte z.B. ich kenne weder lesen noch schreiben, ich müsse den Tag 12 Stunden spielen, ich sey Statt 11 ¼ Jahr 13 od. 16 – ich bewege mich so sehr bei dem Spiel, daß dem Zuhörer schwindlig davon werden müsse. – Wenn letzteres auch übertrieben, so meint doch der Vater daß ich binnen einem Jahr ruhiger spielen müsse. – und Fräulein Pechwell [...] hat sogar gesagt, daß aus mir Etwas werden könnte, wenn ich einen besseren Lehrer, als meinen Vater hätte.“ (CSTb: 62) Und im Oktober des gleichen Jahres geht es Wieck in Weimar nicht besser: „Mit der Frau des Geh. RegierungsRath Schmidt ist es mir aber schlimm ergangen. Schon im Concert kam sie hin zu mir, machte mir Vorwürfe, daß ich die Clara zu viel spielen ließe (wie ungeschickt – am Concertabend!) u dieselbe müsse nun auch ein Vergnügen haben und sie bäte sie hiermit zu einer Kindergesellschaft zu sich pp. Clara hatte es ihr in meinem Namen schon abgeschlagen und ich sagte ihr ziemlich hitzig u gereizt: ich wünsche, daß alle Aeltern ihren Kindern so viel Vergnügen machen können, als ich meiner Clara; übrigens hat meine Clara nicht Zeit, mit kleinen Kindern zu spielen und sie soll den Genuß der freien Luft dem Puppenspiel vorziehen.“ (CSTb: 71f.)
Der Eintrag Friedrich Wiecks zur Konfirmation seiner Tochter am 12. Januar 1834 ist ein höchst bedeutsames Zeugnis, denn hieraus erfahren wir die Maximen, die Clara auf ihrem Lebensweg leiten sollen: „Meine Tochter! Du sollst nun selbstständig werden, das ist von der höchsten Bedeutung. Ich habe Dir in deiner Ausbildung fast 10 Jahr meines Lebens gewidmet; Bedenke, welche Verpflichtungen Du hast. Bilde denn Sinn für ein nobles und uneigennütziges Wirken, für Wohltun und für eine wahre Humanität immer mehr und bei jeder Gelegenheit aus und halte die Ausübung der Tugend für die – wahre Religion. Laße Dich, wenn Du bitter verkannt und verleumdet und beneidet wirst, nicht irre machen in Deinen GrundSätzen. Ach, das ist ein schwerer Kampf u. doch – besteht darin die wahre Tugend. – Ich bleibe Dein rathender und helfender Freud. Friedrich Wieck“ (CSTb: 152) Übrigens hören die Einträge Wiecks erst im Juli 1838 auf; Clara ist da fast 19 Jahre alt.
Das Tagebuch schließt am 13. September 1840 (übrigens Claras Geburtstag und ein Tag nach ihrer Hochzeit) mit den Worten: „[...] und so schließe ich denn dies Buch, nicht ohne Wehmut! eine Periode meines Lebens ist nun beschlossen; erfuhr ich gleich viel Trübes in meinen jungen Jahren schon, so doch auch Manches Freudige, das ich nie vergessen will.“ (CSTb: 396) Und das besonders Trübe in ihrer Jugend war natürlich der jahrelange Kampf um ihre Liebe zu Robert Schumann. Dies wird das nächste Kapitel sein.
Alles fing eigentlich alles sehr harmonisch und gutwillig an: Friedrich Wieck nahm 1830 Schumann zum Klavierstudium in sein Haus auf: „Herr Schumann aus Zwickau ist d. 16 Octbr zu uns gezogen in die beiden Stuben nach der Reichstraße heraus.“ (CSTb: 59) So steht es im Clara-Tagebuch. Er blieb einige Jahre Schüler von Wieck und quasi eine Art Familienmitglied. Im Jahr 1838 schrieb Robert, auf das Jahr 1833 zurückblickend: „Wohl dämmerte mir schon damals der Gedanke auf, ob denn Du vielleicht gar mein Weib werden könntest; aber es lag noch Alles in zu weiter Zukunft; wie dem sei, ich liebte Dich von jeher so herzlich, wie es unser Alter mit sich brachte.“ (SBE I.4: 222) Dann kam das „Jahr 1835, [...] Der erste Kuß im November“(Tb I: 421), so heißt es in Roberts Tagebuch. Clara ist 16 Jahre alt. Doch hatte Robert die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Als Friedrich Wieck hinter die aufkeimende Liebe kam, tobte er. Beim Clara-Biographen Litzmann steht für Mitte Februar 1836: „In der Tat gelang es dem zornmütigen Manne, sie durch die Drohung, er werde Schumann erschießen, wenn dieser es noch einmal wage, mit ihr in Verkehr zu treten, völlig einzuschüchtern und sie zur Herausgabe der von Schumann an sie gerichteten Briefe und dem Versprechen, jeden Verkehr mit ihm abzubrechen, zu bewegen.“ (Litzmann I: 99) Bis ins Jahr 1837 zieht sich das heimliche Lieben hin. Dann am 13. August zerschlug Clara den Knoten, indem sie auf das Programm ihres Konzertes an diesem Tag eine Komposition Schumanns setzte, die Symphonischen Etüden. An diesem Tag hatte ein verzweifelter Robert geschrieben: „Sind Sie noch treue und fest? So unerschütterlich ich an Sie glaube, so wird doch auch der stärkste Muth an sich irre, wenn man gar nichts von dem hört, was Einem das Liebste auf der Welt. Und das sind Sie mir. Tausendmal habe ich mir Alles überlegt und Alles sagt uns: es muß werden, wenn wir wollen und handeln. Schreiben Sie mir nur ein einfaches Ja, ob Sie Ihrem Vater gerade an Ihrem Geburtstag (zum 13ten Sept.) einen Brief von mir selbst geben wollen. Er ist jetzt gut gegen mich gesinnt und wird mich nicht verstoßen, wenn Sie noch für mich bitten.“ (SBE I.4: 96) .“ Und als Antwort schrieb sie ihm am 15. August: „Nur ein einfaches ‘Ja’ verlangen Sie? So ein kleines Wörtchen – so wichtig! Doch – soll nicht ein Herz so voll unaussprechlicher Liebe wie das Meinige, dieß kleine Wörtchen von ganzer Seele aussprechen können? ich thue es und mein Innerstes flüstert es Ihnen ewig zu. Die Schmerzen eines Herzens, die vielen Thränen, könnt ich das schildern – o nein! – Vielleicht will es das Schicksal daß wir uns bald einmal sprechen und dann - - Ihr Vorhaben scheint mir riskirt, doch ein liebend Herz achtet der Gefahren nicht viel. Also abermals sag ich ‚J a’! Sollte Gott meinen achtzehnten Geburtstag zu einem Kummertag machen? o nein, das wäre doch zu grausam. Auch ich fühlte längst ‚es muß werden’ nichts in der Welt soll mich irre machen, und dem Vater werd ich zeigen daß ein jugendliches auch standhaft sein kann! Ihre Clara.“ (SBE I.4: 97) Dann setzte ein 3jähriger Kampf mit Wieck ein.
Viel könnte man aus dem Briefwechsel der beiden Liebenden zitieren. Hier nur chronologisch Einiges. Robert Anfang November 1837 über Wieck: „[...] mit einem Worte, es ist aus zwischen uns; [...] Am letzten Tag, als Ihr hier waret, hat er seinen (verzeih, es muß heraus) Gemeinheiten die Krone aufgesetzt, daß er Dir sogar verbot, die Noten mitzunehmen – vorher hat er Dich belogen, mich verläumdet – was hab’ ich noch mit solchem Mann zu schaffen.“ (SBE I.4: 132) Und Clara antwortet im Dezember: „Ich will Dir keinen Vorwurf machen, wie könnt ich das auch, doch schmerzlich ist es mir wenn Du auf Vater einen Stein werfen willst weil er für seine vielen, mir gewidmeten Stunden nur einen kleinen Lohn verlangt. Er will mich glücklich wissen, meint das durch Reichthum zu erreichen, kannst Du Ihm zürnen? er liebt mich ja über Alles und würde mich, sein Kind, nicht verstoßen, wenn er säh’, daß nur Dein Besitz mein Glück begründen könne, also verzeih Ihm aus Liebe zu mir, seine natürliche Eitelkeit.“ (SBE I.4: 158) Doch auf der anderen Seite steht Clara fest zu ihrem Robert: „Also, Lieber! 1840 bin ich bei Dir, es mag kommen, wie es will, baue auf mich, zweifle nie an mir. Giebt Vater seine Einwilligung nicht; so kömm ich doch und wir machen es ganz so wie du mir schriebst. Im Winter schreibst Du mir dann gerade zu öffentlich, Vater soll es wissen, daß ich kommen solle, und dann bin ich entschlossen, etweder [sic] er läßt mich gehen, oder ich gehe allein.“ (SBE I.4: 348) Aber im Juli 1838 kommen ihr schon Bedenken: „Schwer wird mir die Trennung vom Vater werden, viel werde ich kämpfen müssen, doch die Liebe giebt mir Kraft zu Allem. Ist die Zeit da, dann auch ich. Vater verstößt mich vielleicht, ach mein Gott, wie schrecklich, sollt es wirklich so weit kommen? Gott im Himmel wird mir dann verzeihen – es ist ja nur die Liebe! sey ruhig, mein Robert, Du sollst in mir keine Wankelmüthige finden. Ich bekomme so heftiges Zittern – die fortwährende Aufregung!“ (SBE I.4: 368) In diesem Jahr dokumentiert sich im Briefwechsel ein dauerndes Auf und Ab bei Clara: „wie schrecklich mir jetzt zu Muthe ist, kannst Du Dir denken; den Vater um mich, dem an mir nichts mehr gefällt, der nur immer, so bald er mich sieht etwas auszusetzen hat, gegen den ich jetzt so erbittert bin (der Himmel verzeih mir’s), der mich in Anderer Gegenwart kränkt, mich bis auf’s Tiefste verletzt;[...].“ (SBE I.4: 396) Im Oktober heißt es gar: „Vater will gar nichts mehr von mir wissen und ich habe nur eine Hoffnung, einen Schutz – Dich, mein guter Robert!“ (SBE I.5: 53) Ende November schreibt sie: „Mein guter, Theuerer Robert, behalte mich ja lieb, ich verlasse ja um Deinetwillen Alles, das Liebste, außer Dir, meinen Vater, ich verletze die Pflichten eines Kindes, ich will Dir folgen, [...] ohne Vaters Einwilligung – das ist viel, für ein fühlend Herz, hart, – aber ich vertraue Dir, mein Leben liegt dann nur in Deiner Hand und Du wirst mich glücklich machen, wenn Du mich liebst, und sieht uns der Vater glücklich, dann giebt er uns auch den väterlichen Segen, und dann sind wir ganz glücklich.“ (SBE I.5: 136) Der andauernde Kampf mit dem Vater hinterlässt tiefe Spuren; im Februar 1839 schreibt Clara: „Sieh, nur Dich hab ich ja, Du sollst meine Stütze sein! ich hab einen Vater, den ich unendlich liebe, der mich liebt, und doch hab ich keinen Vater, wie ihn mein Herz bedürfte! sei Du mein Alles, auch mein Vater, nicht wahr Robert?“ (SBE I.5: 261) Und natürlich bestärkt Robert sie: „Er ist Dir kein Vater mehr, sondern ein Peiniger, der Dich nur zu seinen egoistischen Zwecken gebrauchen wollte.“ (SBE I.5: 422) – Am 15. Juni 1839 unterschreibt Clara die Klageschrift gegen ihren Vater: „Heute, mein geliebter Robert, hab ich unterschrieben – nun bin ich ganz Dein, und laß uns jetzt den innigsten Kuß tauschen. Der Augenblick des Unterschreibens war der Wichtigste meines Lebens, doch ich unterschrieb fest und entschlossen und war unendlich glücklich.“ (SBE I.5: 547) Der Leipziger Anwalt Eimert erhielt von Clara eine Vollmacht, um gegen ihren Vater prozessieren zu können.
Im August des gleichen Jahres schreibt sie in ihr Tagebuch: „Möge mir der Himmel nur Kraft genug verleihen den nächsten Kampf mit dem Vater noch zu überwinden. Es wird mir schwer werden, es möchte mir das Herz zerreißen wenn ich an Alles denke was der Vater an mir gethan, und daß ich ihm jetzt öffentlich gegenüber stehen muß – der Himmel wird es mir verzeihen! ein gutes Bewußtsein erhält meinen Muth und tröstet mich.“ (CSTb: 334) Und ihr Resümee dieser Jahre lautet: „Wenn ich mit Robert vereint sein werde, werde ich erst recht heiteren Sinn bekommen – meine letzten 3 Jahre habe ich verkümmert; so lange ich zu Haus war, keinen Tag verlebt ohne die verwundendsten Kränkungen ertragen zu müssen. Hätte der Vater manchmal in mein Innerstes sehen können, er hätte Mitleid gehabt; er ist sehr gut, und hat an mir gethan was kein Vater so leicht thut, aber eine edle schöne Liebe kennt er nicht und versteht sie auch nicht. Dieß thut übrigens meiner kindlichen Liebe zu Ihm keinen Abbruch. Ich fühle manchmal das tiefste Mitleid für Ihn, ich möchte Ihm gerne lohnen, doch was kann ich für mein Herz! es muß so des Himmels Wille sein, er hat uns ja so sonderbar wieder zusammen geführt. [...] ich denke seine väterliche Liebe soll noch siegen über seinen Starrsinn.“ (CSTb: 335) Aus einem Briefeintrag von September 1839 ersieht man, mit welch harten Bandagen Wieck kämpfte: „Er gab mir vier Bedingungen an nach deren Erfüllung er das Gericht autorisiren wollte, und das Jawort an seiner Statt zu geben; sie waren 1) ich sollte verzichten auf die 2000 r. [das sind sage und schreibe ca. 82.000 € 2], die ich nach 7 jährigem Spiel erübrigt, und sie meinen Brüdern geben. (Ich meine, wenn ich ihnen 1000 r. gebe so ist es genug, soll ich nichts behalten?) 2) soll ich meine Sachen und Instrument zurückerhalten wenn ich später 1000 r. nachbezahle und auch diese meinen Brüdern gebe, (diese Bedingung hat er mir später nachgelassen) 3) soll mir Robert 8000 r. von seinem Capital verschreiben [staunen Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, das sind 329.000 €], die Interessen [sprich Zinsen] davon sollen in meine Hände fallen, und nur ich soll im Falle einer Trennung (welch schrecklicher Gedanke!) über das Capital zu disponiren haben, (welch ein Mann wird so etwas eingehen? 12000 r. [fast eine halbe Million € sind das] hat er, und zwei Drittel soll er der Frau geben: ist das nicht eines Mannes unwürdig?) es ist des Mannes Sache über das Geld seiner Frau zu walten, aber nicht umgekehrt.) 4) soll mich Robert zur Universalerbin einsetzen, (wie schrecklich, wir sind noch nicht vereinigt und sollen schon auf den Tod denken!) – Diese Bedingungen können wir natürlich nicht erfüllen und so muß die Sache gerichtlich abgemacht werden. Als ich dem Vater sagte, ich müsse doch Geld zu einer Einrichtung haben, sagte er’wenn Dein Bräutigam Dich liebt, so wird er Dir 1000 r. auf so feine Weise in die Hände spielen, daß Du es kaum merkst’. Das empörte mich in das Innerste hinein! das ist also der Lohn für mein jahrelanges Herumreisen, daß ich nun nicht einmal so viel haben soll, mich ausstatten zu können? ich soll mich lassen von meinem Bräutigam ausstatten? nein dazu bin ich zu stolz, der Gedanke könnte mich zu Boden drücken! was soll ich nun aber anfangen, kein Geld in den Händen? ach Himmel, das ist doch hart! Ich will noch herumreisen und Concerte geben, um mir meine Ausstattung zu verdienen. Ich kann das Geld nicht von Robert annehmen.“ (CSTb: 339f.)
In dem Dokument „Vorstellung Beklagtens“ vom Dezember 1839 nennt Wieck zwei Fragen, die er vor Erteilung des Ehekonsens’ geklärt wissen will: „Ob beide die zu ihrem Leben nöthigen pekuniären Mittel besitzen oder erwerben können? Ob beide vermöge ihres Charakters und ihrer Individualität nach fähig erscheinen, zusammen glücklich zu leben und in der Welt wirken zu können?“ (Preiß 2004: 107) Aber alle Einwände Wiecks nützen nichts: Am 1. August 1840 ergeht das endgültiges Urteil des Gerichts: Clara und Robert haben gesiegt und dürfen heiraten, was sie am 12. September auch tun. Friederike Preiß, die ein Buch über den Prozess geschrieben hat, resümiert: „Es war zu keiner gütlichen Einigung mit Friedrich Wieck gekommnen, vielmehr war die ehemals so stabile Beziehung zwischen Vater und Tochter erheblich gestört, um nicht zu sagen zerstört.“ (Preiß 2004: 162) – Interessant ist, wie stark Schumanns Antipathie auf seinen Schwiegervater war: er karrte nach und reichte im Dezember 40 gegen Wieck eine „Injurialklage“ ein, und diese endet damit, dass Wieck im April 1841 zu 18 Tagen Gefängnis verurteilt wird.
Bevor das Kapitel zugeschlagen wird, sei zitiert, was die Halbschwester Marie Wieck in ihrem Buch geschrieben hat, höchstwahrscheinlich um ihren Vater wohl irgendwie zu entschuldigen: „Wenn der Vater aber vorausgesehen hätte, daß der Charakter seiner Tochter sich mit 19 Jahren so großartig gestalten würde, da sie als verheiratete Frau alle Geldsorgen, alle Leiden und damit verbundenen Launen Schumanns hinter sich werfen, ihre Konzertkarriere mit Freuden unterbrechen und fortwährende Kindersorgen ertragen würde, so hätte Wieck gewiß seine Einwilligung gegeben, wie andere Väter, die gern ihren Töchtern Männer verschaffen. Die Ehe brauchte dann nicht so erkämpft zu werden und herber Schmerz wäre Vater und Tochter erspart geblieben. Wie aber alles zwei Seiten hat, so kann man sagen, daß gerade durch die Weigerung des Vaters die Heiratsgeschichte eine ungewöhnliche und dem Publikum besonders interessante wurde und daß Schumann in dem Hangen und Bangen viele unsterbliche Melodien der Welt geschenkt hat. Friedrich Wieck war hitzig, Schumann stolz, und so paßten sie bei schwierigen Gelegenheiten nicht zusammen, aber unedle Motive bewegten beide nicht.“ (Wieck, Marie 1912: 29)
Und wer versuchte nach der Heirat über die tiefe Kluft zwischen dem Ehepaar Schumann und Friedrich Wieck eine Brücke zu bauen? Nach den vorherigen Zitaten kann man es ahnen. Es ist Clara. Bereits 1841 nimmt sie den Geburtstag ihres Vaters zum Anlass, ihm einen Brief zukommen zu lassen: „In der Hoffnung, daß Du mich, lieber Vater, doch nicht ganz vergessen hast und milderen Gesinnungen gegen mich Raum gibst, sende ich Dir zu dem heutigen Tage die herzlichsten Glückwünsche, die Du aufnehmen mögest, wie sie gegeben sind, mit Liebe. Feire diesen Tag gesund und vergnügt und denke dabei auch einmal freundlich Deiner Clara, deren Wünsche gewiß die aufrichtigsten sind, wenn auch nur in wenigen Worten ausgedrückt!“ (SBE I.2: 153) Und Robert hat diesen Brief nicht verhindert. Im Ehetagebuch vermerkt Clara: „D. 18ten [August 1841] [...] Ich habe ihm [Becker] einige Gratulations-Zeilen an den Vater gegeben zu seinem heutigen Geburtstag, und ich glaube, es war nicht zur Unzeit gethan. [...] [ich] küsse meinen lieben Mann, der meinem Wunsche, an den Vater zu schreiben, durch seine Erlaubniß zuvor kam, ehe ich ihn noch darum gebeten.“ (Tb II: 182) Doch Friedrich Wieck rührte sich nicht. Erst eineinhalb Jahre später, Ende Januar 1843, antwortet er seiner Tochter: „Liebe Clara Auf Deinen Brief vom 18 Aug 41 schreibe ich Dir heute erst. Kein Wort über das Warum! Ich liebe die Kunst immer noch aufrichtig u ungetrübt; folglich soll auch jetzt die Thätigkeit Deines talentvollen Mannes nicht unbeachtet und unerkannt von mir bleiben. [...] Dein Mann und ich wir sind zwei harte Köpfe, die muss man gehen lassen, aber gesinnungsvoll sind wir; folglich kann es ihn nicht wundern, wenn ich wie immer seinem Fleiss und seiner Schöpferkraft Gerechtigkeit widerfahren zu lassen wünsche. Komm bald nach Dresden und führe hier Deines Mannes Quintett auf.“ (SBE I.2: 155) Und die Aufforderung, nach Dresden zu kommen, erfüllte Clara schon im Februar; Schumann schreibt ins Ehetagebuch: „Klara ist in Dresden, die Ihrigen zu besuchen. Der Sinn des Vaters hat sich plötzlich gewendet und mich freut es in meiner Klara Seele. Denn Eltern bleiben Eltern und man hat sie nur einmal.“ (Tb II: 254) Clara ergänzt im Tagebuch: „Noch Einiges über meinen Aufenthalt in Dresden möchte ich wohl berichten, vor Allem, daß ich immer und zu jeder Minute bei Euch war und nur der Gedanke es mache dem Vater Freude mich bei sich zu sehen – eine Freude, die er ja lange entbehrt, freilich durch eigene Schuld – konnte mich bewegen so lange dort zu bleiben.“ (Tb II: 256f.) Und natürlich schreibt sie in diesem Jahr wieder zu Vaters Geburtstag: „Mein lieber Vater, glücklich macht mich der Gedanke, daß ich Dir endlich einmal wieder meine Glückwünsche in der Hoffnung, dass Du sie freundlich aufnimmst, senden kann; [...] Gott weiß, mein Herz war immer dankbar gegen Dich. Daß die Verhältnisse es wollten, daß ich Dir im schlechtesten Lichte erscheinen mußte, das war, was mich oft betrübte, doch nun ist ja Alles ausgeglichen, und hast Du noch einen Groll auf mich, so laß ihn im alten Jahre in alle Lüfte schwinden, und denke meiner freundlich, wenn Cäcilie und Marie [das sind die Halbschwestern von Clara] Dich beblumen, dann bin ich auch im Geiste bei Euch.“ (SBE I.2: 173) Dann, man möchte sagen: endlich, streckt Wieck seine Hand auch Robert entgegen; in seinem Brief vom Dezember 1843 heißt es: „Lieber Schumann, Tempora mutantur et nos mutamur in eis. Wir können uns, der Clara und der Welt gegenüber, nicht mehr fern stehen. Sie sind jetzt auch Familienvater – warum lange Erklärung? In der Kunst waren wir uns immer einig – ich war sogar Ihr Lehrer – mein Ausspruch entschied sogar für Ihre jetzige Laufbahn. Meiner Theilnahme für Ihr Talent und Ihre schönen und wahren Bestrebungen brauche ich Sie nicht zu versichern. Mit Freuden erwartet Sie in Dresden Ihr Vater Fr. Wieck.“ (SBE I.2: 178) Zwei Jahre später versteigt sich Wieck gar in einem Brief an Robert zu der Formulierung: „Mein liebster Sohn“. (SBE I.2: 214)
Mitte Dezember 1844 ziehen die Schumanns von Leipzig nach Dresden um. Im Haushaltbuch steht für den 1. Weihnachtsfeiertag: „Wiecks zu Tisch bei uns.“ (Tb III: 376) Sogar Silvester feiert man gemeinsam: „Abends die Alten [Stiefmutter und Vater Wieck] u. Krägen u. Mortier bei uns“ (Tb III: 377) Weitere Begegnungen sind in den Jahren 1845 dokumentiert. Als am 11. März 1845 den Schumanns die Tochter Julie geboren wird, denken diese gar an eine Patenschaft; Anfang April heißt es: „Besuch beim Alten wegen Gevatterschaft u. s. Rohheit“. (Tb III: 384) Bei der Taufe Juliens am 6. April war u. a. bei den Paten: „die Stief-Großmutter Wieck, geborenen Fechner [...].“ (Schumann 1925: 317)
Die Beziehungen müssen immer besser geworden sein; hätte sich sonst Schumann nicht lumpen lassen für: „Blumen z. Geburtstag des Alten 2 [Taler] [auszugeben]“ (Tb III: 397) – immerhin ca. 78 €. Und das Vertrauen zwischen den Familien war so stark, dass die Schumanns, als sie auf mehrmonatige Konzerttournee über den Jahreswechsel 1846/47 nach Wien gingen, ihre beiden jüngsten Kinder in die Obhut von Clementine und Friedrich Wieck gaben. Übrigens waren diese beiden Kinder noch klein: Julie war eindreiviertel Jahr alt, und Emil, der erste Sohn der Schumanns, erst 9 Monate alt. Bei der Rückkehr von der Konzertreise heißt es im Tagebuch: „unter mannigfachen Empfindungen in Dresden angekommen Abends 5 Uhr, wo uns Mad. Wieck, Marie u. Cäcilia mit Julchen u. Emil entgegenkamen.“ (Tb II: 414) Ins Erinnerungsbüchelchen für ihre Kinder trug Schumann ein: „Julchen fanden wir, obgleich noch immer sehr zart und schwächlich, doch vorwärts gekommen, Emil dagegen elend und kränklich.“ (Schumann 1925: 323) Und welch Unglück: ein halbes Jahr später starb Emil.
Aus der Zeit nach Schumanns Tod, 1856, sollen nur wenige Begebenheiten berichtet werden. Anfang Dezember 1857 schrieb Clara an ihre Tochter Marie, die Älteste: „Noch wollte ich Dir erzählen, daß der Großvater in Dresden sehr lieb gegen mich war, und mir für Euere Sparbüchsen 100 Thaler [ca. 3500 €] geschenkt, welches ich gleich in ein Staatspapier eingewechselt habe, damit es nicht todt daliegt.“ (SBE I.11: 79) Die Geschäftsfrau Clara lässt grüßen.
Im Sommer 1861 waren die beiden jüngsten Schumannkinder Felix, gerade 5 Jahre alt, und Eugenie, 10 Jahre alt, in den Ferien bei Opa Wieck. – Als Clara ihren Vater im Sommer 1867 nach Baden-Baden einlud, wo sie ja von 1862 bis 1873 ein Häuschen besaß, sagte Wieck mit folgenden Worten ab: „Meine liebste, der Weg nach Baden ist zu weit u mein Befinden hat in den
26 Grad Hitze gelitten u der Magen steht still – 20 Stunden Eisenbahn kann ich nicht vertragen. [...] Doch wie gerne möchte ich Deine Kinder einmal beisammen sehen. [...] Nun, mein liebes Clärchen, strenge Dich nicht an, wenn Du Dich nicht wohl fühlst. Nach neuester Medicin soll man keine Medikamente mehr nehmen weil „Bumlen“ das wirksamste Mittel sei, das Gleichgewicht im Organismus wieder herzustellen. [...] Tausend Küsse u Grüße von Allen, – Allen Dein Friedrich W.“ (SBE I.2: 282)
Der zwanzigjährige Schumannsohn Ludwig wohnte von 1868 bis 1870 in Dresden; anfangs auch bei seinem Großvater, der ihm im Sommer 1868 Klavierunterricht gab. Aber so reibungslos muss das Verhältnis Enkel-Großvater nicht gewesen sein, denn Mutter Clara schrieb Ende 1869 an ihre Tochter Elise: „Wir wollen auf der Rückreise nach Dresden gehen, ich muß doch mal sehen, wie Ludwig dort wohnt, dann mit dem Geld eine andere Einrichtung treffen, da er mit den Großeltern ganz auseinander ist. Der Großvater raisonnirte über mich, und Ludwig vertrat mich, das verdroß den Vater, Marie, schreibt er, sey sehr unfreundlich, und hatten sie ihn zu Weihnachten gar nicht eingeladen – das ist doch hart.“ (SBE I.10: 153)
Am 6. Oktober 1873 starb Friedrich Wieck im gesegneten Alter von 88 Jahren. Clara schrieb zwei Tage später an ihre Stiefmutter: „Meine theuere Mutter und Schwester, wie gedenke ich Eurer, wie mögt Ihr schmerzvoll die furchtbare Lücke empfinden – welch ein wundervoller Mann war er, der Licht und Leben stets um sich verbreitete. [...] Ich sandte gestern einen Kranz ab, bitte lege ihn auf den Sarg – ach, die letzte Gabe – wie tief betrübt empfinde ich, daß durch unsere Lebensverhältnisse ich den Vater so selten sah – mein Herz hing ihm aber in innigster Liebe und Dankbarkeit an, und auch Dir, meine liebe Mutter – mögest Du mir es glauben.“ (SBE I.2: 319) Und ihrem Tagebuch vertraut sie an: „Dieser Monat brachte mir einen großen Schmerz. Mein Vater wurde krank und starb nach einigen Tagen am 6. October. Sein Tod war sanft ... Er war 88 Jahre alt und hatte noch bis zum letzten Augenblick Freude an der Natur und der Kunst, war in seiner Empfindung stets frisch wie ein Jüngling. Ich war aufs tiefste erschüttert – mit ihm entschwand mir der letzte Anhalt an meine Jugend. Heiß hatte ich ihn geliebt, oft empfand ich es, jetzt aber brach das Gefühl mit Macht über mich herein. Hätte ich nur einen Blick noch von ihm gehabt. Stimmten wir in Manchem auch nicht überein, so konnte dies meine Liebe nie beeinträchtigen und diese war gehoben durch ein Dankbarkeitsgefühl, das mich durch mein ganzes Leben begleitet hat. Wie viele Jahre hatte er sich mir ausschließlich gewidmet, welchen schönen Einfluß hatte er auf mich gehabt in der Auffassung eines practischen thätigen Lebens, wie viele Weisheitsregeln hatte er mit gegeben und nicht allein das, sondern auch gesorgt, daß ich sie befolge. Seine Natur hatte etwas Großartiges, [...] So war denn mit ihm ein seltener Mann dahingegangen – meine Trauer war so groß und tief, daß ich sie nicht beschreiben könnte – er war meiner Kindheit ja alles gewesen und nun erlosch der letzte Rest...’“ (Litzmann III: 302f.) Und nach dem Kondolenz-Besuch in Dresden schrieb sie Anfang Dezember 1873: „Liebste Mutter! ich möchte Dir hierdurch einen herzlichen Gruß schicken, und Dir sagen, wie ich Euerer so viel gedenke! so schmerzlich es mir war Euch vereinsamt wieder zu sehen, so war es mir doch auch wieder tröstend, daß ich Euch gesehen. Ich kann Dir aber nicht sagen, wie betrübt ich bin, lebte ich auch wenig mit dem theueren Vater, so fühlte ich stets wie lieb ich ihn hatte – wenn ich an ihm nur dachte, schlug ihm mein ganzes Herz entgegen, und ich kann es gar nicht glauben, daß sein schönes, feuriges Auge erloschen, sein beredter Mund verstummt sein soll für immer.“ (SBE I.2: 320)
Literatur
CS-List 1996 = „Das Band der ewigen Liebe“. Clara Schumanns Briefwechsel mit Emilie und Elise List, Hg. Eugen Wendler, Stuttgart/Weimar 1996
CSTb = Clara Schumann Jugendtagebücher 1827-1840, Hg. Gerd Nauhaus und Nancy B. Reich, Hildesheim 2019
Litzmann I = Berthold Litzmann: Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen, Bd. 1: Mädchenjahre 1819-1840, Leipzig 1902
Litzmann III = Berthold Litzmann: Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen, Bd. 3: Clara Schumann und ihre Freunde, 1856-1896, Leipzig 1908
SBE = Schumann-Briefedition
Serie I: Briefe aus der Familie Robert und Clara Schumanns
I.2: Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit der Familie Wieck, Köln 2011
I.4: Briefwechsel von Clara und Robert Schumann, Bd. I: März 1831 bis September 1838 Hg. Anja Mühlenweg, Köln 2012
I.5: Braut- und Ehebriefwechsel Robert und Clara Schumann, Bd. II: September 1838 bis Juni 1839, Hg. Anja Mühlenweg, Köln 2013
I.10: Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit den Kindern Elise, Ludwig und Felix, Hg. Thomas Synofzik und Michael Heinemann, Köln 2020
I.11: Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit den Kindern Marie, Julie und Ferdinand sowie den Enkelkindern, Hg. Thomas Synofzik und Michael Heinemann, Köln 2023
Schumann 1925 = Eugenie Schumann: Erinnerungen, Stuttgart 1925
Tb I = Robert Schumann, Tagebücher, Bd. 1 (Hg. Georg Eismann), Leipzig21987
Tb II = Robert Schumann, Tagebücher, Bd. 2 (Hg. Gerd Nauhaus), Leipzig 1987
Tb III = Robert Schumann, Tagebücher, Bd. 3 (Hg. Gerd Nauhaus), Leipzig 1982
Preiß, Friederike (2004): Der Prozeß. Clara und Robert Schumanns Kontroverse mit Friedrich Wieck, Frankfurt
Wendt, Matthias (2023): Ein C.-Wieck-Tagebuch aus Dresden. In: Clara Schumann – Alltag und Künstlertum, S. 399-422, Würzburg 2023
Wieck, Marie (1912): Aus dem Kreise Wieck-Schumann, Dresden
1 Der Artikel ist ein leicht modifizierter Vortrag, vom Verfasser gehalten am 31. August 2025 im Rahmen des Clara-Schumann-Tages in Bad Wildbad.
2 Umrechnung gemäß der Liste „Kaufkraftäquivalente historischer Beträge in deutschen Währungen“ der Deutschen Bundesbank, Stand: Januar 2025.