Neue CDs Klassik

Kultur SPIEGEL, 31.07.2006, Nr. 8, Seite 37
KLASSIK

Robert Schumann: "Klavierquartette" (MDG)
Nicht einmal im neuestenSchumann-Handbuch wird das c-moll-Klavierquartett des 19-jährigenVisionärs gewürdigt - weil es ein Torso blieb. Den hat der ExperteJoachim Draheim nun nobel ergänzt. Das Schumann-erfahrene TrioParnassus samt Hariolf Schlichtig stellen das waghalsig zwischen Durund Moll schlingernde Stück vor: ein echter Fund.

"Bella Voce - Anja Harteros singt Mozart und Haydn" (RCA)
Ein Solo-Debüt erst mit 34 Jahren hat auch Vorteile: Bei so viel Erfahrung kann die Deutsch-Griechin aus dem Vollen schöpfen. Mit Vorliebe mutet sie ihrem offenen Timbre Passioniertes zu. Aber auch die lyrischen Stücke beeindrucken durch sanftes Piano.

Franz Liszt: "Klavierwerke" (Avie)
Der finstere Blick täuscht - Markus Groh ist ein Kopfarbeiter. Fingerhürden meistert der Leygraf-Schüler so selbstverständlich, dass der Hörer hinter aller Brillanz Liszts Komponierkünste neu entdecken kann, etwa in der h-moll-Sonate oder dem mit Kontrasten gespickten "Totentanz".

W. A. Mozart: "Requiem" (Farao Classics)
"Requiem"-Aufnahmen gibt es haufenweise, aber in dieser dringt der unermüdliche Enoch zu Guttenberg, 60, bis zum Existentiellen vor. Mit seinen hochkompetenten Ensembles kommt er Todesschauern und Jenseitshoffnung so nahe, dass man die Posaunen des Jüngsten Gerichts spürt.

Karlheinz Stockhausen: "Gruppen, Punkte" (BMC)
109 Musiker in drei Raumgruppen, jede mit eigenem Dirigenten: Stockhausens Versuch von 1955, das Tongewirr der Welt zum Werk zu bündeln, klingt so kühn wie eh und je. Sein Kollege Peter Eötvös koppelt das anspruchsvolle All-Panorama mit den Klangballungen der "Punkte".

JOHANNES SALTZWEDEL

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