Ideale Genoveva – CDs und DVDs mit Annette Dasch

(Zusammengestellt: Opernwelt 3/2007, S. 37)

Vom deutschen Barock-Lied des 17. Jahrhunderts über Mozarts «Figaro» (Paris 2004) und «Il re pastore» (Salzburg 2006) auf DVD bis zum Live-Mitschnitt von Schumanns «Genoveva» (Wiesbaden 2006) reicht die Diskografie von Annette Dasch: Das todessüchtige «Unser Leben ist mit viel Not umgeben» von Philipp Heinrich Erlebach möge für die Vielschichtigkeit stehen, mit der sich Annette Dasch auf ihrer ersten Solo-CD – zusammen mit einem Septett der Akademie für Alte Musik – den Themen Liebe, Vergänglichkeit, Frieden, Natur und Glück in eigenen Liedgruppen widmete (Harmonia Mundi MMN 911835, AD: 2004). Adam und Johann Krieger, Heinrich Albert und Andreas Hammerschmidt – jedem Einzelnen dieser großen Kleinmeister gewinnt Dasch andere Facetten ab und schafft den Spagat zwischen Wortausdeutung und melodischer Rundung. Demnächst soll eine weitere CD mit Barockrepertoire erscheinen – wahrscheinlich bei Sony Classical.

Mozarts «Il re pastore» wurde beim letztjährigen Salzburger Mozart-Marathon aufgezeichnet (siehe OW 2/2007). Wie schon beim Wiener «Lucio Silla» Claus Guths zeigt sich, welch kernige Bühnenpräsenz Annette Dasch in einer Hosenrolle entfalten kann. Im Pariser «Figaro» singt die Sopranistin als Gräfin unter Leitung von René Jacobs ungewöhnlich expressive Verzierungen – stets stilistisch und musikdramaturgisch überzeugend. Fragwürdig bleibt die allzu sehr auf den «tollen Tag» zielende, aufgekratzte Szene dieser Aufführung: Das Ambiente des nach keiner Seite abgeschlossenen Raums von Hans Schavernoch gleicht einem Depot barocker Gemälde, die berühmte Stillleben mit Vanitas-Symbolik abbilden. Annette Dasch fügt sich darstellerisch und gesanglich perfekt ins Ensemble, gibt der Gräfin eine Portion jugendliche Wut, Witz und Ungestüm.

Leider wird es wohl so bald keine Veröffentlichung des BR-Mitschnitts der «Königskinder» aus der Bayerischen Staatsoper vom 29. Oktober 2005 (siehe OW 12/2005) unter Fabio Luisi geben, in der Annette Dasch an der Seite von Robert Gambill eine hinreißende Gänsemagd sang. Dafür hat Robert Schumanns «Genoveva» endlich eine in jeder Hinsicht adäquate Umsetzung der Titelpartie auf CD gefunden. Weder die kühle Edda Moser (1976 unter Kurt Masur) noch der allzu helle lyrische Ton von Julia Faulkner (1992 mit Gerd Albrecht) oder Ruth Ziesak (1996 unter Harnoncourt) werden der Partie in ihrer seltsamen Unnahbarkeit und Unberührbarkeit wirklich gerecht. Annette Dasch verfügt in der neuesten Aufnahme über eine sich ebenso weich wie voll verströmende Stimme, verkörpert darüber hinaus gleichsam somnambul und wie neben sich stehend eine «Heilige, die in eine Sphäre entrückt ist, in der die Tragödie zur Märtyrerlegende wird» (Carl Dahlhaus im «Opernwelt»-Thema 12/99). Marc Piollet gelingt es mit Chor und Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, den symphonischen Reichtum von Schumanns Partitur ausdrucksvoll und farbig leuchten zu lassen. Allerdings fallen die männlichen Protagonisten in diesem Mitschnitt gegenüber der Titelrolle und Andrea Baker als Margaretha ab, ausgenommen der Tenor Michael König als Verführer Golo.

(klk)

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