Robert Schumann

Streichquartette op. 41
Philharmonia-Quartett Berlin (2008)
Thorofon/KC CD 003913125545 (79’)

Gediegen

Wenn vier Streicher der Berliner Philharmoniker ein Vierteljahrhundert gemeinsam musizieren, ist ein gewisses handwerkliches und klangliches Niveau garantiert: Das zeigt auch die hier vorliegende neue Schumann-Aufnahme, die Ende 2008 entstanden ist – wenige Wochen vor dem plötzlichen Tod des Cellisten Jan Diesselhorst. Trotz der unbestrittenen Qualitäten des renommierten Ensembles muss allerdings bezweifelt werden, ob die Aufnahme den Vergleich mit den herausragenden Einspielungen der letzten Jahre bestehen kann – als da wären etwa die der Hagens, der Vertavos oder des Zehetmair-Quartetts. Denn so gediegen und edel die Berliner auch zusammenspielen, fehlt ihrer Aufnahme doch in vielen Momenten der ganz besondere Zauber, der unbedingte Ausdruckswille, den man bei dieser Musik erwarten würde. Der Kopfsatz aus dem dritten Schumann-Quartett etwa wirkt einfach weniger fein durchgeformt und facettenreich als in den genannten Vergleichseinspielungen; das sehr langsam genommene Adagio aus op. 41,1 droht etwas statisch zu werden. Auch sonst könnte die Musik gerne noch mehr vorandrängen, mehr gestische Energie entwickeln. Im poco Adagio des zweiten Satzes von op. 41,1 kommt der 3/8-Fluss nicht richtig in die Gänge – und die eine oder andere Passage im nachfolgenden langsamen Satz klingt etwas eindimensional, nicht so farbenreich ausdifferenziert, wie es diesen Musikern sicher möglich wäre.
 
Die Finalsätze4 haben dagegen generell etwas mehr Zug und leidenschaftliche Emphase. Insgesamt bleibt die Aufnahme jedoch hinter dem Niveau früherer Einspielungen zurück – und die recht hallige Akustik tut ein Übriges, um den ohnehin etwas konturenschwachen Eindruck weiter zu verwischen.

Marcus Stäbler, in: Fono Forum Januar 2010, Seite 74

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