Romantisch wogend

Fono Forum, März 2010, S. 75

Zunächst schien es so, als würde sich Martin Helmchen in den derzeit angesagten Club der empfindsamen Lyriker einreihen: Seine ersten beiden SACDs mit Mozart und Schubert wiesen ihn als einen Meister der leisten Töne aus. Seine neueste Scheibe mit dem Konzert-Schlachtrössern von Schumann und Dvorak aber lässt keinen Zweifel mehr daran, dass er mittlerweile enorm an energischem Profil hinzugewonnen hat.

Gemeinsam mit Marc Albrecht und dem Orchestre Philharmonique de Strasbourg präsentiert er Schumanns Konzert in durchaus konventionell romantischer Lesart als opulentes Klanggemälde der kräftigen Farben, der großen Gefühle und der weichen Konturen – und kultiviert damit fast schon wieder eine Gegenposition zu den klassizistisch-strengen Ansätzen der letzten Jahre.

Gewiss trägt auch die verhangene Akustik des Aufnahmeorts dazu bei, seinen an sich prägnanten Anschlag so „aufgeweicht“ klingen zu lassen. Das später aufgezeichnete Dvorák-Konzert klingt konturierter, und es verströmt überdies mehr Leidenschaft und innere Anteilnahme – vielleicht, weil hier Helmchen Überzeugungsarbeit leisten will für ein unterschätztes Meisterwerk. So gerät das unbekannte Dvorák-Konzert zum eigentlichen Ereignis dieses Mehrkanal-Albums, auf dem zwei junge Hoffnungsträger spätromantische Klangideale wiederbeleben. Ein etwas schärfer durchgezeichnetes Klangbild hätte aber nicht geschadet.

Attila Csampai

Schumann, Dvorák, Klavierkonzerte; Martin Helmchen, Orchestre Philharmonique de Strasbourg, Marc Albrecht (2009); Pentatone/Codæx SACD 827949033360 (71’)

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