Farbenkreis

Fono Forum, April 2010, S. 80

Neu ist die gerade erschienene Platte von Angelika Kirchschlager nicht. Ihr Schumann-Album lag bereits 2005 einem hervorragend edierten Büchlein mit dem Titel „Frauenliebe und –leben“ aus dem La-Dogana-Verlag (Alive) vor. Pünktlich zum Schumann-Jahr erscheint es nun also solo beim Major-Label Sona.

Neben „Frauenliebe und –leben“ singt Kirchschlager unter anderem die „Gedichte der Königin Maria Stuart“ sowie Auszüge aus anderen Zyklen. Sie eröffnet mit „Seit ich ihn gesehen“ in dunkel glühenden Farben, wobei ihr Gesang in einer Natürlichkeit fließt, die jeden übertriebenen Kunstwillen im Ausdruck verwehrt. Dabei schöpft sie aus der reichen Farbpalette ihres Mezzos und sucht den Ausdruck über den Klang. Allerdings singt sie nicht so kleinteilig wie etwa Elisabeth Schwarzkopf, die mitunter auf engstem Raum zu krassen Farbwechseln griff. Ohnehin ist die Sängerin weniger an einer kaleidoskopischen Detailarbeit interessiert, als vielmehr an der Grundstimmung der Lieder wie dem schwermütig-verklärten Gestus von „Du Ring an meinem Finger“. Einziges Manko: Der Gesang wirkt teilweise etwas zu beherrscht, dafür geraten die elegischen Momente der „Maria-Stuart-Lieder“ umso beglückender.

Helmut Deutsch ist ihr in allen Belangen ein ebenbürtiger Partner, der zwischen fahlem Spiel und beherztem Zugriff den farbigen Gesang der Mezzosopranistin auf ein sattes Fundament stellt.

Bjørn Woll

Schumann, Lieder; Angelika Kirchschlager, Helmut Deutsch (2005); Sony CD 886973425329 (69’)

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