Klar und poetisch

Fono Forum, August 2010, Seite 81

Robert Schumanns Klaviersonaten haben beim breiten Publikum nie dieselbe Beliebtheit erlangt wie dessen poetische Zyklen („Kinderszenen“, „Carnaval“ oder „Kreisleriana“). Francesco Piemontesi, der die drei Sonaten gemeinsam mit der Fantasie als Folge vier der Schumann-Gesamtaufnahme von Claves vorlegt, ist nun ein entschiedenes Plädoyer für die vergleichsweise vernachlässigten Werke zu verdanken.

Piemontesi interpretiert Schumanns Werke gleichermaßen klar wie poetisch. Er wählt eher verhaltene Tempi, so dass man sich etwa die Fantasie gerade im ersten Satz durchaus noch fantastischer und leidenschaftlicher vorstellen kann. Lohnend ist auch ein Vergleich seiner Interpretation des ersten Satzes der Sonate op. 22 („So rasch wie möglich“) mit Argerichs rasend schneller Version. Piemontesi spielt den Satz längst nicht so elektrisierend, dafür beeindrucken die Kantabilität seines Spiels wie die Fülle der Details, die er freilegt. Gleichzeitig wirken Schumanns Sonaten bei Piemontesi wie aus einem Guss. So umweht seine Interpretation der fis-Moll-Sonate ein leichter Hauch von Melancholie, und die meisterhafte Darstellung der Aria scheint ganz im Zentrum der Interpretation zu stehen. Scherzo und Finale deutet er eher kunstvoll-elegant als eruptiv. Einen großen Anteil daran hat auch der volle runde Klavierton, der weniger offen klingt als beispielsweise derjenige in der Gesamtaufnahme der Schumann-Sonaten von Carlo Grante (Musik & Arts 2007).

Die Sonate op. 14 spielt Piemontesi in einer viersätzigen Mischversion aus den Fassungen der Jahre 1836 und 1853. Und erneut beeindrucken sein analytischer Scharfsinn wie seine Fähigkeit, auf den Tasten zu singen.

Gregor Willmes

Schumann, Sonaten, Fantasie; Francesco Piemontesi (2009);
Claves/KC 2 CD 7619931100326 (105’)

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