Intensiv

Fono Forum, Dezember 2010, S. 79

Abermals ein Mitschnitt vom Festival „Spannungen“ in Heimbach, dem Hort dauerhaft hochwertiger Kammermusik-Aufführungen. Aus dem Jahr 2009 liegt nun ein spannend komponiertes Programm vor, mit Dvoráks Streichsextett op. 48 und einem anschließenden Schumann-Block: mit den Fantasiestücken op. 73 (für Klarinette und Klavier), den Fünf Stücken im Volkston op. 102 (für Cello und Klavier) sowie abermals mit den Fantasiestücken, diesmal in einer (in Heimbach uraufgeführten) Bearbeitung von Aribert Reimann für Klarinette, Flöte, Harfe und zwei Bratschen. Zuletzt folgt Reimanns Sonate für Klarinette solo, gespielt von Jörg Widmann.

Allein dieser Abschluss macht diese Aufnahme hörenswert. Widmann als Interpret mit dem Verständnis eines Komponisten; jede Sequenz gestaltet er minutiös, jede Wendung stattet er mit einem Hauch von Plötzlichkeit aus. So entsteht eine wunderbare dialogische Struktur. Die Fantasiestücke (in Heimbach bereits 2002 in der Besetzung für Cello und Klavier aufgezeichnet) klingen in der Reimann-Fassung ungemein fein, kronleuchterglitzernd hell. Jörg Widmann und Lars Vogt deuten diese Stücke gleichermaßen spontan wie zupackend, mit herrlichem Gespür für Timing und Balance der Stimmen. Das Dvorák-Sextett vereinigt in der Besetzung Tetzlaff-Donderer-van Keulen-Robert-Rivinius-Viersen teils jahrelange Weggefährten des Festivals. Entsprechend deutungsfroh gehen sie zu Werke, melancholisch im Dumka-Satz, mit höchstem Risiko im Presto, stets wunderbar gesanglich, dramaturgisch klug in den abschließenden Variationen.

Christoph Vratz

Dvorák, Streichsextett; Schumann, Stücke im Volkston; Schumann/Reimann, Fantasiestücke; Reimann, Klarinettensonate; Christian Tetzlaff, Isabelle van Keulen, Lars Vogt u. a. (2009); CAvi-music/HM CD 4260085532070 (80’)

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