Mit Kunstverstand

Fono Forum 2011, Januar, S. 89

Mark Padmore hat sich die deutsche Sprache diszipliniert antrainiert. Das Ergebnis ist (wie schon bei den Schubert-Zyklen) imponierend: Man kann die Texte zu Schumanns „Liederkreis“ (op. 24) und „Dichterliebe“ ruhig beiseitelegen. Freilich, so intellektuell kontrolliert Padmore mit der Sprache umgeht, so kalkuliert wirkt der musikalische Ausdruck. Der hell timbrierte Tenor besitzt zwar durchaus Tiefenfundament, vermag sich dunkel einzufärben („Im Rhein“), auch ergeben sich fraglos immer wieder unmittelbar berührende Momente („Wenn ich in deine Augen seh“). Dennoch dominiert der Eindruck einer vorrangig mit Kunstverstand gelenkten Stimme.

Ihr bleiben Wirkungsgrenzen gesetzt, was auch durch eine noch so subtile Textauslotung, eine noch so feinsinnige Dramaturgie dynamischer Abstufungen nur bedingt aufgegangen wird. Bei Franz Lachners „Meerfrau“ (der Textdichter Heinrich Heine ist bei der Kollektion aus „Sängerfahrt“ das verbindende Element zu Schumann) wird sogar die Groteske gestreift.

Die „unsäglich“ liebende Wassernixe in dieser wie Schuberts „Erlkönig“ oder Schumanns „Waldesgespräch“ dialogisch ablaufenden Szene gleicht bei Padmore nachgerade Humperdincks Knusperhexe. Immerhin dankt man dem Sänger und seinem Eigenprofil zeigenden Pianisten Kristian Bezuidenhout (Érard-Flügel von 1837) den nachdrücklichen Hinweis auf einen wohl zu sehr vernachlässigten Komponisten.

Christoph Zimmermann

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