Schumanns Leben und Werke zum Lesen

Piano News
Magazin für Klavier und Flügel
Juli/August 4/2006

Besprechung von Carsten Dürer zu: Ulrich Tadday (Hrsg.)
Schumann-Handbuch
Bärenreiter/Metzler Verlage
480 Seiten, ISBN 3-476-01671-4
EUR 64,95


Nein, diesem Handbuch, wie es banal auf dem Titel steht, kann man in einer kurzen Rezension gar nicht gerecht werden. Und dennoch soll es hier erwähnt und beschrieben sein.
Mittlerweile hat es so etwas wie eine Tradition, dass der Bärenreiter Verlag in Kooperation mit dem Metzler Verlag in jedem besonderen Gedenkjahr eines Komponisten ein „… Handbuch“ veröffentlicht. Das letzte war das über Mozart, doch stehen in diesem Jahr ja auch weitere Gedenkjahre an, wie auch das Schumann-Gedenkjahr. Und da ließ man sich nicht lumpen und veröffentlichte einen schweren Band mit Artikeln zu und über Schumann. Es ist gut, dass man diesen Band nicht als Lexikon betitelt, denn das wäre alles andere als richtig. Es ist ein Lesebuch, kann aber aufgrund des hervorragend angelegten Registers allerdings auch als Nachschlagewerk genutzt werden.

Dieses Schumann-Handbuch, das als Herausgeber Ulrich Tadday verantwortet, ist wahrscheinlich eine der interessantesten Monografien über diesen Komponisten und seine Werke, die ich in der Hand hatte. Denn nicht einer der Autoren hat sich dazu hinreißen lassen, sich in ein bestimmtes Feld von Erwartungen hineinzwängen zu lassen. Allen voran ist der einführende biografische Text von Peter Gülke mit dem Titel „Robert Schumanns jubelnd erlittene Romantik“ ein Musterbeispiel eines musikhistorisch-hochliterarischen Essays über Schumanns Leben. Dabei entwirft Gülke nicht nur ein aufschlüsselndes Bild des „Nicht“-Romantikers Schumann, sondern eine komplette Psychologie seines Lebensweges. Er fügt zudem gekonnt die literarische Welt, die bei dem Komponisten eine solch bedeutende Rolle spielte, als Lebensweg mit ein. Es ist erleuchtend, dieses Essay zu lesen.

Bemerkenswert auch die Qualität der anderen „Lesebuch“-Beiträge von namhaften Autoren. Natürlich sind die Artikel wie „Das literarische Werk. Lektüre, Poesie, Kritik und poetische Musik“ von Uwe Schweikert oder „Poesie und Handwerk: Robert Schumanns Schaffensweise“ von Bernard R. Appel ebenso spannend wie die über die Kammer-, Orchester- oder etwa Vokalmusik. Doch die Klaviermusik nimmt fast 100 Seiten in Anspruch. Und hier sind nun nicht etwa musikwissenschaftliche Besprechungen der Einzelwerke und Sammlungen zu finden. Vielmehr wird man in die chronologische Ideenwelt der Klavierformen und deren Inhalte bei Schumann eingeführt. Arnfried Edler, Joachim Draheim und Ulrike Kranefeld lassen sich nicht darauf ein, wissenschaftliche Beiträge zu schreiben: Man muss lesen, seitenweise lesen. Und man erfährt dabei so vieles Interessantes, was man bislang vielleicht nur ansatzweise wusste. Wie beispielsweise die Formen von Schumann genau betrachtet wurden, wie er Fantasie, Variation oder Sonate verstand, bevor er sie entwickelte und weiterführte.

Dass auch die Schumann-Wirkungsweise in einem eigenen Kapitel mit drei Essays zum Tragen kommt, versteht sich für ein Handbuch aus dem Hause Bärenreiter/Metzler von selbst. Für dieses Schumann-Handbuch muss man sich Zeit nehmen, will man tiefer eintauchen in die Wirkensweise und die Persönlichkeit Schumanns. Doch es lohnt sich, sich diese Zeit zu nehmen.
Carsten Dürer

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