Volker Müller: Die geschwinde Promotion.

Robert Schumann und Thüringen – ein kleiner Streifzug. 160 S., zahlr. Abb. Köln: Verlag Christoph Dohr, 2009 ISBN: 978-3-936655-60-5

”Schickt mich die Zeitung nach Zwickau, kommt einiges auf mich zu“, beginnt der aus Plauen stammende Journalist und Autor Volker Müller seinen kleinen Streifzug über Schumann und Thüringen. Nicht nur auf ihn kommt einiges zu, sondern auch auf den Leser, sofern er sich der weiteren Lektüre des Buches hingibt. Da macht Müller einem zuvörderst immer wieder Mut, die Stadt Zwickau zu besuchen, was sich – wie er mehrfach versichert – ”trotzdem“ empfiehlt. Ihn persönlich ermutigt dazu immer wieder das auf dem Zwickauer Hauptmarkt stehende Schumann-Denkmal (von ihm der Patina wegen ”der Grüne Geselle“ genannt).

In Zwickau, ”einer jener seltsamen vergessenen rauen Gegenden des Landes“, wie er schreibt, ”kann auch einer auf dieWelt kommen“, und meint damit Robert Schumann, ”es muss nicht unbedingt Hamburg, München, Berlin, Wien sein“. Während Müller noch mehr Städte der Welt aufzählt, in denen zweifellos auch einer auf die Welt kommen kann, macht sich der Leser Gedanken darüber, ob sich wohl jemals ein berühmter Mensch hätte aussuchen können, wo er denn hätte geboren werden wollen. Und vor allem: welchen Einfluss dies auf seine Karriere hätte haben können.

Munter nimmt Müller nun in diesem Stil den Faden von Schumanns Lebensgeschichte auf, die zwar im seltsamen Zwickau beginnt, den ”Sachsen“ aber dann ganz rasch seiner zweiten, und offensichtlich eigentlichen Heimat Thüringen zuführt. Schließlich erhielt er doch hier von der Universität Jena ”die geschwinde Promotion“. Gepaart sind jener von Thomas Synofzik im Geleitwort als ”erfrischend“ bezeichnete Stil sowie die ebenfalls dort gelobte ”unbefangene Perspektive“ des Autors mit einer höchst eigenwilligen Zitierweise, die manche Passage ein wenig aus dem Zusammenhang reißt und dadurch überaus fragwürdige Möglichkeiten der Auslegung eröffnet. Ob so ”allerhand Zeitkolorit“ spürbar wird, wie das Geleitwort vermitteln möchte, wagt man mutig zu bezweifeln.

Auch erschließt sich nicht der Sinn jener ”ad libitum“ genannten Abschnitte am Ende eines jeden Kapitels. Allerlei Gedankensplitter finden sich da, manches knappe, zusammenhanglos erzählte Detail aus Robert Schumanns Biographie, manches Zitat aus Tagebüchern und Briefen, ebenfalls ohne erkennbaren Zusammenhang, aber auch so wichtige Erkenntnisse wie: ”Wir wissen über Robert und Clara Schumann unglaublich viel . . . Doch wir werden nicht recht froh darüber“ (S. 70) und ”Der Himmel zwischen Leipzig und Köstritz-Reuß ist nicht immer blau“ (S. 45). Auch beim Lesen der Kapitel selbst bleibt offen, was uns – außer seiner ganz persönlichen Empfindungen bei der Beschäftigung mit Robert Schumann, Zwickau und Thüringen – uns der Autor vermitteln möchte.

”Nicht, dass mich in diesem Moment das Gewissen plagt. Nein, man kann das alles, ohne rot zu werden, so schreiben“, bemerkt Volker Müller in seinem Buch (S. 28). Aber eigentlich kann man das nicht so schreiben und das Gewissen sollte einen gehörig plagen. Zumindest dem Leser treibt die Lektüre mancher Stelle dieser Studie die (Zornes-)Röte ins Gesicht! ”Das ist nun ein Punkt, an dem sich gut ein Punkt machen lässt“, bemerkt der Autor bereits auf S. 30. Ach, hätte er es doch nur getan!

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