Joseph (1830–1907) und Amalie (1836–1899) Joachim geb. Schneeweiß

Joseph Joachim in späteren Jahren
Joseph Joachim in späteren Jahren, Radierung von Heinrich Reifferscheid, um 1898 (StadtMuseum Bonn)

Der 1831 in Kittsee im Burgenland geborene Joseph Joachim wurde zunächst als geigendes Wunderkind sehr bekannt und verdankte dann Felix Mendelssohn Bartholdy wichtige Impulse. Der Zwölfjährige gab sein Debüt in einem Konzert Pauline Viardot-Garcias mit Clara Schumann 1843 in Leipzig und hatte 1844 in London mit dem bis dahin fast als unspielbar geltenden Violinkonzert Beethovens einen sensationellen Erfolg.
 
1850 ging er als Konzertmeister zu Franz Liszt nach Weimar und nahm 1853 eine Konzertmeisterstelle am Königshof in Hannover an. Dort blieb er bis 1868, konzertierte nach wie vor regelmäßig in England, Holland und Belgien und komponierte viele seiner Werke in dieser Zeit.

1868 wechselte er nach Berlin, wo er die Königliche Hochschule für Musik mit aufbaute und bis zu seinem Tod 1907 leitete. Das von ihm gegründete Joachim-Quartett, mit dem er regelmäßige Kammermusikabende im In- und Ausland gab, wurde legendär.


Für Clara und Robert Schumann war die Begegnung mit dem jungen Joachim im Mai 1853 von großer Bedeutung, er war es auch, der ihnen Johannes Brahms zuführte. Sein Spiel beeindruckte Robert Schumann so, daß er ihm seine Phantasie für Violine und Orchester op. 131 zueignete, die Joachim auch zum ersten Male aufführte, und auch sein Violinkonzert für ihn bestimmte.

Vermutlich hat Clara Schumann nur mit wenigen Künstlern so oft zusammen musiziert wie mit Joseph Joachim; in ihrer Programmsammlung finden sich mehr als 200 Konzertzettel von gemeinsamen Auftritten. Ihr Paradestück war zweifellos Beethovens Kreutzer-Sonate, und vor allem für ihre gemeinsamen Beethoven-Interpretationen wurden sie immer wieder gepriesen. Aber selbstverständlich spielten sie auch die Violinsonaten von Schumann, Mozart und anderen Komponisten.

Clara Schumann schätzte Joseph Joachim jedoch nicht nur als Musiker, sondern auch als Freund. Der Geiger seinerseits trat ebenfalls gern mit Clara Schumann auf; schließlich waren sie auf der Bühne sehr gut aufeinander eingespielt.

Die schwere Zeit von Schumanns Erkrankung, in der Joachim oft bei Clara weilte und Schumann gemeinsam mit Brahms in der Heilanstalt besuchte, verband sie tief. Ähnlich wie Brahms fragte Clara Joachim auch um Rat, wenn es um die Herausgabe der nachgelassenen Werke Schumanns ging.

Amalie Joachim
Amalie Joachim, Reproduktion eines Fotos (Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien)

Joseph Joachim hatte 1863 die Sängerin Amalie Schneeweiß, die sich auf der Bühne Weiß nannte, geheiratet. Die hervorragende Altistin stammte aus der Steiermark und war zunächst am Wiener Kärntnertortheater tätig, wo sie jedoch nur in kleinen Rollen eingesetzt wurde.

Im April 1862 bot sich ihr ein Engagement an der Königlichen Hofoper in Hannover, wo sie als Orpheus und Leonore Aufsehen erregte. Bald lernte sie Joseph Joachim kennen und heiratete ihn. Danach durfte sie auf Wunsch ihres Ehemanns nur noch als Konzertsängerin auftreten und erwarb sich einen großen Ruf als Lied- und Oratoriensängerin. Insbesondere um das Liedrepertoire von Schumann, Schubert und Brahms machte sie sich sehr verdient. Sie war es, die als erste einen reinen Schumann-Abende gab, so z. B. am 11. Januar 1888 in Berlin.
Amalie und Joseph Joachim hatten sechs Kinder, ließen sich jedoch im Jahr 1884 scheiden.
Die enge Freundschaft zwischen Brahms und Joachim erlitt einen tiefen Bruch, als Brahms sich auf die Seite Amalies stellte.
Joachim versuchte dieser die Kinder wegzunehmen und ihr aufgrund seiner krankhaften Eifersucht die alleinige Schuld zuzuweisen.

Clara Schumann bemühte sich, mit beiden Partnern gleichermaßen befreundet zu bleiben.
Sie unternahm bis 1878 verschiedene Konzertreisen gemeinsam mit Amalie Joachim und interpretierte beispielsweise mit ihr Schumanns Frauenliebe und Leben op. 42, den Zyklus,
den Amalie Joachim am häufigsten sang.

Clara Schumann erkannte Amalie als gleichwertige Konzertpartnerin und Kollegin an,
was sich auch darin widerspiegelt, daß sie ihr immer die Hälfte des Honorars überweisen ließ, auch wenn sie selbst meist mehr zu spielen hatte.

Doch auch zu dritt traten Clara Schumann sowie Amalie und Joseph Joachim oft auf, beispielsweise in London oder in Berlin und Braunschweig.

(Julia M. Nauhaus)

Vgl. auch [ Joseph Joachim ]